Das Leben des Teufels

Die Sünde raubt uns die heiligmachende Gnade. Und welch ein Verlust ist nicht auch dieses. Denn die heiligmachende Gnade ist eine Wirkung des heil. Geistes, wodurch wir vom Bösen abgehalten und zum Guten angetrieben werden; sie ist ein Licht, das die Finsterniß unsers Verstandes erleuchtet; sie ist ein Feuer, welches die Eisdecke unsers Herzens schmilzt und es mit der Gluth der göttlichen Liebe erwärmt. Die heiligmachende Gnade ist unserer Seele dasjenige, was den Reben des Weinstockes der Saft ist, den ihnen der Stamm mittheilt ; durch sie lebt unsere Seele in Jesus Christus. Vermöge der heiligmachenden Gnade sind wir lebendige Glieder Jesu Christi; durch sie machen wir nur Eines mit ihm aus, gleichwie die Rebe nur Eines mit dem Weinstocke ist. Aber eine einzige Todsünde reißt uns aus diesem seligen Verbande. Und der schrecklichen Aenderung! wie wir zuvor das Leben Jesu lebten, so leben wir jetzt das Leben des Teufels; wie wir zuvor Eines mit Jesu Christo ausmachten, so machen wir jetzt Eines mit dem Teufel aus; wie wir im Stand der Gnade so zu sagen ein anderer Jesus Christus waren, so sind wir durch die Sünde zu einer Art von Teufel geworden. Sollen wir über diesen traurigen Wechsel nicht blutige Thränen der Reue weinen?

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen, München 1845

 

 

unbekannte Quacksalber

Zur Wahl des Beichtvaters

Wegen der Wahl des Beichtvaters fordert es die Wichtigkeit der Sache, ein heilsames Wort anzubringen. Die Kirche weiset einen jeden, wenigstens der Osterbeichte halber an seinen eigenen Priester. Und wer kann läugnen, daß es dem Hirten, der seine Schafe weiden, und für ihr ewiges Heil bey Gott stehen soll, unendlich viel daran liegt, sie genau zu kennen?  Daß es auch hingegen, besonders für solche Leute, die im Todtbette – und wie oft wird man vom Tode ganz schnell und unvermuthet überrascht? – keinen andern Beystand haben können, ungemein bedenklich ist, wenn der Seelsorger ihren Gewissensstand gar nicht kennet; hiemit da sie sich selbst zu erklären nicht wissen, oder nicht mehr vermögen, nur auf Gerathewohl für die ganze Ewigkeit verfahren muß? […]
Ein Beichtvater muß ein gerechter Richter, ein kluger und erfahrner Seelenarzt, ein erleuchteter Führer auf den Wegen Gottes seyn. […] Wer ist so thöricht, daß er sich in einer gefährlichen Krankheit einem unbekannten Quacksalber, oder seinen viel betragenden Handel dem nächsten beßten Sachwalter überläßt? Geschieht das nicht sehr oft im Betracht einer Wahl, von der das ewige Seelenheil abhängt?  Man glaubt, es liege nicht viel an diesem Richteramte; weil man sich beredet, es komme bloß auf die Lossprechung an, die man auch allein erwartet, und wohl gar mit Ungestümme fordert: jedoch Gott hat seinen Priestern die Gewalt zu lösen nur unter der Bedingniß gegeben, wenn wir der Vergebung würdig, und dazu genugsam bereitet kommen: sonst haben sie die Pflicht zu binden, und ihre Lossprechung ist ungültig

S. Schwarzhueber,“Praktisch katholisches Religionshandbuch für nachdenkende Christen,“ , Salzburg, 1808

Und wieder einmal habe ich ein, wie ich finde, sehr hübsches Textlein aufgetan, das ich gerne teilen möchte. Weil ich finde: „sooo wahr!“

Auch wenn ich nach wie vor nicht auf jahrzehntelange Beichterfahrung zurückblicken kann. Nach einiger Zeit des Vagabundierens bin ich in letzter Zeit auch auf den Geschmack des „Bekannt-Beichtens“ gekommen. Abgesehen von den praktischen Vorteilen, dass man beispielsweise nicht jedes Mal seine halbe Lebensgeschichte erzählen muss ist es, wie ich finde, sehr viel ergiebiger. So mittel- bis langfristig gesehen…

Äußerst bedenkenswert erscheint mir auch die Sache mit dem Totenbett. Bei nächster Gelegenheit werde ich das einem Praxistest unterziehen. Ich sage mal nichts und lasse  erstmal raten. Sollte das Ergebnis wenig zufriedenstellend ausfallen, was ich eigentlich nicht erwarte, werde ich mich selbstverständlich ganz besonders um einen möglichst risikoarmen Lebenswandel bemühen.
Eine gute Vorbereitung auf die verschiedensten Eventualitäten ist wirklich das A und O!

Unverzeihlich

Der Verlust von allem

Die Sünde gegen den heiligen Geist im engsten Sinne aber führt den Menschen unrettbar dem ewigen Verderben zu, weil bei der Unbußfertigkeit bis ans Ende die Sünde nicht verziehen werden und ohne Verzeihung der Sünde die ewige Seligkeit nicht erlangt werden kann.
[…]
Die letzte Ursache der Sünde gegen den heiligen Geist ist die Gottverlassenheit. Niemand gelangt in den Stand der Unbußfertigkeit, er werde denn von Gott verlassen. Auf der andern Seite wird aber auch Niemand von Gott verlassen, wenn er nicht selbst Gott zuvor verlassen hat.

Konrad Martin „Lehrbuch der katholischen Moral“ , Mainz 1855

 

Die Sünde liebgewonnen

Der Verlust des Glaubens

Wie die Tugend des Glaubens vermehrt, so kann sie auch vermindert und gänzlich verloren werden. Vermindert wird sie durch die abnehmende Liebe zur Wahrheit, durch Alles, was den Geist für höhere Dinge abstumpft und ihn herunterzieht in die Gemeinheit des Lebens, oder durch gleichgültigen Nicht- oder Halbgebrauch der Gabe des Glaubens. Der lebendige Glaube wird verloren durch jede schwere Sünde, die uns der göttlichen Liebe und Gnade beraubt. Ist aber der
l e b e n d i g e  Glaube verloren, so kann zwar, wie wir gesehen, der wahre Glaube noch bestehen bleiben, doch ist der todte Glaube sehr der Gefahr ausgesetzt, geradezu in Unglauben überzugehen. Denn die unheilige, gottentfremdete Gesinnung ist das vorzüglichste Hinderniß wie der Annahme, so auch der Bewahrung des Glaubens; wer die Sünde liebgewonnen hat und nicht von ihr scheiden will, wird die Wahrheit hassen; weil die Wahrheit ihm den Genuß der Sünde verbittert, wird er wünschen, daß sie nicht Wahrheit sei, und Scheingründe, zufällig zusammen gerafft, werden ihm genügen, sich dieser Störerin seiner Freuden zu entledigen. […] Auch ist zu beachten, daß der Glaube eine Gnade ist, und daß Gnaden, die wir nicht gebrauchen, oder die wir zu unserm Verderben mißbrauchen, uns leicht entzogen werden.

Konrad Martin „Lehrbuch der katholischen Moral“ , Mainz 1855