Was wollen Sie? Beichten?

Ähm… ja, also…wenn’s keine Umstände macht, dann ja bitte!

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So in etwa fühlte ich mich kürzlich. Weil ich beichten wollte. Ich hatte  beschlossen der Gemeinde in meiner Nachbarschaft mal einen Antrittsbesuch abzustatten. Und so schaute ich auf deren Website nach Beichtterminen. Es handelt sich um eine ziemlich große Pfarrei, zu der mehrere, ehemals eigenständige Gemeinden gehören. Jedoch, ich konnte einfach keinen Eintrag zum Thema „Beichtgelegenheit“ finden.

Das kam mir seltsam vor und so schrieb ich eine emailanfrage an das Pfarrbüro. Eine Antwort folgte schnell und bestätigte meine Befürchtung. Ich könne gerne über das Büro einen Termin vereinbaren oder aber in die Innenstadt zu einer Kirche gehen, die täglich Beichtgelegenheiten anbietet. Die kenne ich natürlich und da ist es auch sehr schön. Aber ich wollte doch nun eigentlich mal  hier um die Ecke… mal was Neues kennenlernen.

Also rief ich an. Und ich hatte tatsächlich den Eindruck, ein regelrechter Exot zu sein. Da ich tatsächlich nicht gerne Umstände mache, erkundigte ich mich zunächst danach, wie das denn sonst so gehandhabt würde und durfte erfahren, dass die Leute mit ihrem Pfarrer in der Regel nach der Messe einen Termin vereinbaren oder eben zu besagter Kirche in die Stadt gehen. Aber… Eigentlich… Im Grunde würde ja nicht so viel gebeichtet werden. Es entfuhr mir ein entsetztes „Das ist aber schade!“ worauf ein verlegenes kichern folgte.

Natürlich machte ich keine Umstände indem ich nun einen Termin telefonisch vereinbarte. Und es lief  letztendlich alles ganz problemlos und unkompliziert.

Aber der Gedanke, dass es keine festen Beichtzeiten gibt, lässt mich einfach nicht mehr los.

Ich gehe fest davon aus, dass das hier kein Einzelfall ist. Eine schnelle Recherche ergab, dass es in vielen Gemeinden keine festen Zeiten gibt, zum Teil ein Mal im Monat. Aber immerhin, das ist ja schon besser als nichts.

Mir will die Symbolik, das Bild einfach nicht gefallen. Was ist das für ein Zeichen?

Eine feste Beichtgelegenheit ist doch eine riesen Sicherheit. Es ist das Symbol für offene Arme, offen für Versöhnung! Es ist eine Einladung zu eben jener!

Wenn es das gar nicht mehr gibt, dann wird die Hürde doch umso größer, weil man so viel tun muss. Sich aufraffen, einen telefonischen Termin zu vereinbaren, den Pfarrer ansprechen… Es ist einfach ein „Wahnsinns  Act“. Und es ist fast so als würde man schon vor der Beichte beichten… eben, dass man beichten muss, will!  Mir macht das nichts aus. Aber vielleicht anderen. Beichten ist out, das wissen wir und vielleicht ist es vielen auch peinlich. Unangenehm auf jeden Fall. Und wenn man dann nicht eben mal schnell, wenn einem die Sündhaftigkeit auf die Seele drückt  in einen Beichtstuhl huschen kann, sondern das noch einer gewissen Vorarbeit bedarf, birgt es ein immens hohes Potential fürs aufschieben, rausreden, verdrängen. So sind wir Menschen eben, je steiniger umso einladender die Situation zu umgehen.

Ist es wirklich zu viel verlangt, die Gewissheit haben zu wollen, dass ich mindestens einmal in der Woche für eine halbe Stunde,  diese offenen Arme aufsuchen kann, wenn ich das dringende Bedürfnis zu Versöhnung habe?

Keine Beichtgelegenheit zu bieten, schließt einen Teufelskreis. Und zwar nicht im metaphorischen, sondern im aller wahrsten Sinn dieses Wortes.

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2 Gedanken zu “Was wollen Sie? Beichten?

  1. Ich stand vor kurzem genau dem selben Problem. Noch schlimmer: In meiner Heimatkirche wurde irgendwann der Beichtstuhl abgeschafft!
    Glücklicherweise habe ich ein Kloster in der Nähe und von dort nur Gutes gehört… Dort musste man zwar „klingeln“ wenn man beichten wollte, jedoch nicht extra einen Termin ausmachen.
    Ich finde es auch schrecklich, dass einem nun noch eine zusätzliche Hürde eingebaut wird – Als wäre es nicht schon Überwindung genug… Aber, wie Du schon sagst es ist ein Teufelskreis – Keine Nachfrage, kein Angebot – Oder kein Angebot, daher keine Nachfrage?

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    1. Eben. Es ist eine zusätzliche Hürde. Diejenigen, die gerne beichten, die haben da sicherlich die geringeren Probleme mit. Aber für andere, für die das ohnehin eine große Überwindung bedeutet, wäre es halt schon schön, wenn das etwas „einladender“ wäre. Also, „gerne“ beichten…ist ja auch nicht ganz richtig, besser vielleicht, jemand dem die Versöhnung mit Gott sehr am Herzen liegt…

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