Ein Siegel auf meinem Arm

Über tätowierte Bekenntnisse und die Schwierigkeit dazu zu stehen

Es war genau heute vor einem Jahr, am 19. September 2014. Dass dieser Tag meinen endgültigen Aufbruch markieren würde, ist mir eigentlich erst im Nachhinein so richtig aufgefallen.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine Weile mit der Konversion zur katholischen Kirche geliebäugelt, mich viel mit anderen katholischen Menschen ausgetauscht. Direkt offen mit jemandem darüber gesprochen, der dem Christentum im Allgemeinem und der katholischen Kirche im Speziellen, kritisch gegenübersteht, hatte ich aber noch nicht. Überhaupt hatte ich Menschen in meinem Umfeld noch nicht dahingehend informiert, dass ich mich mit der Konversion zur katholischen Kirche trage. Dass ich daran „theoretisches Interesse“ hatte, war bekannt. Nicht aber, dass ich das alles auch glaube. So weit war ich einfach noch nicht und es gab auch noch keine Veranlassung dazu. War das doch alles, trotz innerer Bereitschaft noch etwas weit weg und unspezifisch.

An diesem Tag trug es sich zu, dass ich in meinem bevorzugten Tattoo-Studio zu Gast war um mein bisher letztes Tattoo zu erhalten. Schon dieses trägt eine heimliche, verschämt-versteckte Botschaft in sich.

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„issa u dejjem“ ist maltesisch und heißt wörtlich zunächst mal nur „jetzt und (für) immer“ was für vieles gelten kann und erst mal überhaupt keine Rückschlüsse zulässt, wenn man nicht bedenkt, dass es eben auch die maltesische übersetzung  für „Nunc et semper“ ist und von mir ganz bewusst in Anlehnung an das doxologische „et nunc et semper“ – „jetzt und für alle Zeit“ gewählt wurde. Das habe ich aber keinem gesagt und ich glaube, ich habe das auch bis heute nie aufgeklärt.

Außerdem hatte ich eine Idee, einen ersten Entwurf für ein neues, großes Tattoo-Projekt dabei. Eine riesige Pieta über den gesamten Rücken soll es sein. Der Entwurf und die Idee gefielen meiner Tätowiererin auch gut. Allerdings äußerte sie vorsichtige Skepsis, wie ausgerechnet ich zu einer Mariendarstellung käme. Denn das passte nicht zu mir, so wie sie mich bis dahin kannte. Nebenbei, ich halte es für gut und richtig, wenn ein Tätowierer solche bedenken, zumal bei einem so großen Projekt äußert, denn manchmal hat man spontane Schnapsideen hinter denen man aber dann vielleicht doch nicht steht.

Aber ach, was antworte ich ihr? Das Falsche. Statt einfach ehrlich zu sagen „Ich habe mich geändert. Es stimmt, früher hatte ich eine andere Einstellung und das war die, die du von mir kennst, aber jetzt ist es anders. Ich habe zum Glauben gefunden und dazu stehe ich.“  habe ich mich sehr blöd durchlaviert, mit der Begründung, ich mag Pietas aus Kunsthistorischen Gründen und außerdem weil sie eine so große Menschlichkeit darstellen… Das war nicht mal gelogen. Aber es war auch nicht die Wahrheit.

Die Furcht vor einer Konfrontation mit jemandem, von dem ich weiß, dass sie gerade die katholische Kirche offen ablehnt, war einfach zu groß und ich noch viel zu unsicher, hatte sich das gerade an diesem Tag, im Gespräch während des Tätowierens wieder sehr deutlich gezeigt.

Ich kann wirklich nicht behaupten, dass ich an diesem Tag nach Hause gekommen wäre und beschlossen hätte, dass ab nun alles anders werden würde und ich mich offen zu meiner Entscheidung bekenne. Das hat noch eine lange Weile gedauert, doch weiß ich heute, dass ich mit diesem Tag anfing, mich erst mal innerlich langsam aber sicher bereit zu machen zu meinem Glauben zu stehen.

Entschieden hatte ich mich längst, jetzt und für alle Zeit.

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2 Gedanken zu “Ein Siegel auf meinem Arm

    1. Deep inside my haert, für immer //
      deep inside my heart, für immer …

      Es mäandert immer noch in meinem Kopf, deswegen möchte ich nachtragen, weil es mir gestern zum ersten Mal aufgefallen ist, wie gütig, liebevoll und gesund Doro eigentlich auf dem noch recht aktuellen Bild aussieht. Zumindest verglichen mit Heidi, obwohl diese bald zehn Jahre jünger ist.

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