Schleierhaft?? #2

Ist das tragen einer Kopfbedeckung nicht unheimlich frauenfeindlich?

Ist die Vorschrift für Männer, in der Kirche ihre Kopfbedeckung abzusetzen männerfeindlich??

Nein, ich verstehe schon. Das rührt vor allem von Paulus her. Der ja ohnehin kategorisch als frauenfeindlich verschrien ist, deshalb widme ich mich hier mal ausschließlich dem 1.Korinther 11.


Für viele ist das bedeckte Haupt der Frau ein Zeichen von Unterdrückung und Geringschätzung, von Unfreiheit und Demütigung.  Ich kann und will nicht bestreiten, dass natürlich die Frauen jahrhundertelang eine gesellschaftliche Unterdrückung erfahren haben und weniger Rechte hatten und als weniger Wert galten, als Männer.

Doch ist daran kaum die Kopfbedeckung schuld, noch kann ich davon etwas in 1.Korinther 11 lesen.

Natürlich ist es hilfreich, im Vorfeld der Überlegungen einige Dinge zu beachten. Nämlich mal den Blickwinkel ein bisschen zu verändern, weg von dem was uns die heutige Gesellschaft vorgibt, dafür ein bisschen mehr auf Gott hin ausgerichtet (das wäre vielleicht ohnehin und generell kein Fehler).

Letztendlich geht es einzig und alleine darum, Demut vor Gott zu zeigen und Ihm Ehre zu erweisen. Das geschieht gemäß Paulus hierdurch:

„Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt.“

Zweimal Haupt. Das heißt zum einen ihren Mann als ihr Haupt, aber gleichzeitig auch ihr eigenes Haupt, sich selbst.

Dass der Mann als das Haupt der Frau gilt, mag uns heute auch nicht so richtig gefallen in unserer gleichberechtigten Welt. Sicherlich wird hier, an dieser Stelle eine Rangfolge beschrieben. „Christus ist das Haupt des Mannes, der Mann ist das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi.“ Man könnte darüber nachdenken, ob es Absicht ist, dass diese Reihenfolge nicht mit Gott beginnt und sicher, wir Frauen wären vielleicht auch gerne das Haupt von irgendwas.

„Der Mann stammt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann. Der Mann wurde auch nicht für die Frau geschaffen, sondern die Frau für den Mann.“

Ziemlich hart für die moderne gleichberechtigte Frau. Eine ziemlich lineare Reihenfolge, die ganz klar sagt, wer über wem steht.
Aber moderner Blick beiseite, wie wir in der Bibel lesen können ist Eva aus Adam und für Adam geschaffen worden. Da lässt sich nichts dran drehen. Man muss das aber mal zu Ende denken, was das bedeutet. Nämlich, der Mann braucht eine Frau, weil er ohne die Frau nicht kann. Ohne die Frau ist der Mann unvollständig und nur beide zusammen ergeben ein Ganzes. Keiner kann ohne den anderen.

Sagt auch Paulus:

„Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau. Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott“

00 Inzens

Hier wird die vorher lineare Reihenfolge Christus Haupt des Mannes, Mann Haupt der Frau zu einem Kreis geschlossen. Die Frau vom Mann, der Mann durch die Frau, alles von Gott.

Es wird keinerlei Gewichtung vorgenommen. Beide sind also gleich viel Wert und gleich wichtig.

Gleich viel Wert und gleich wichtig heißt aber eben nicht, dass man nicht unterschiedlich ist und quasi unterschiedliche Aufgaben hat.

Der Mann ehrt Gott, indem er sein Haupt unbedeckt lässt, die Frau wiederum ehrt Gott, indem sie, um sich und ihren Mann nicht zu entehren, ihr Haupt bedeckt. Es ist etwas anderes, aber deshalb nicht minderwertiger. Es mag auf den ersten Blick so erscheinen als wäre der Mann näher und direkter an Gott, da die Frau eben nur durch ihren Mann Gott ehrt.

Aber wie wir gerade gesehen haben, sind Mann und Frau nur zwei Teile eines zusammengehörenden Ganzen und erweisen damit natürlich in dieser Einheit die volle Ehre.

Die Kopfbedeckung der Frau zeigt also nach außen hin nichts anderes, als dass sie eine Frau ist, ein gleichwertiger, individueller (potentieller) Teil einer Einheit, die letztendlich ein gemeinsames Haupt haben.

Kein Wort von Minderwertigkeit und Demütigung. Nur von Demut vor Gott. Und jeder auf seine Weise.

Ich selbst bin ausgesprochen gerne eine Frau, die studiert hat, einen ganz guten Beruf hat, in dem sie auch sehr gleichberechtigt mit Männern zusammenarbeitet, aber weder einer ist, noch wie einer sein will und dazu steht, dass sie manche Dinge ganz anders angeht als die männlichen Kollegen, weder schlechter noch besser, sondern anders.

Und deshalb trage ich auch, anders als die Männer, eine Kopfbedeckung in der Kirche.

Die dürfen das nämlich gar nicht. Ha!


Schleierhaft?? Teil #1 Hic

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5 Gedanken zu “Schleierhaft?? #2

  1. Die Interpretation von 1 Kor 11 ist tatsächlich nicht ganz leicht, aber sehr wichtig. Ein paar Gedanken dazu. In Bezug auf den Haupt-/Hierarchiegedanken finde ich eine Sache sehr wichtig: Die Hierarchie zwischen Mann und Frau wird mit der zwischen Gott und Christus verglichen! „Ich will aber, dass Ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, des Christus Haupt aber Gott.“ (Elberfelder Bibel) Paulus verwendet also, um die Beziehung zwischen Mann und Frau auszudrücken, einen Vergleich mit der Beziehung Jesu zu Gott. Diese Art von Beziehung würden wir allerdings nicht als Hierarchie auffassen, in der Gott über Jesus steht oder gar herrscht, ansonsten wären wir Subordinatianisten. Eine solche auf Herrschaft zielende Beziehung kann aufgrund des Vergleichs also auch nicht zwischen Mann und Frau angenommen werden.

    Zweitens muss man 1 Kor 11 meiner Meinung nach im Licht von Gal 3 lesen: „Denn Ihr alle, die Ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn Ihr alle seid einer in Christus. Wenn Ihr aber des Christus seid, so seid Ihr damit Abrahams Nachkommenschaft und nach der Verheißung Erben.“ Theologisch bzw. im Licht des Glaubens bzw. im Angesicht Gottes ist also alles klar: die Unterscheidung Mann/Frau hat hier keine Bedeutung, da gibt es kein besser oder schlechter.

    Wenn es nun dennoch eine faktische Ungleichberechtigung gibt, die auch bei Paulus immer wieder durchscheint, so muss man dafür in Gen nachschauen. Dort heißt es in 1,16: „Nach Deinem Mann wird Dein Verlangen sein, er aber wird über Dich herrschen.“ Wie ist diese Aussage einzuordnen? Sie wird NACH dem Sündenfall getätigt, ist also ein Abfall von der intendierten Schöpfungsordnung. (Nota bene: Wie die Frau bekommt auch der Mann solche Strafansagen.) Wie bereits gesagt, ursprünglich und noch immer in der überzeitlichen Ewigkeit Gottes gibt es keine Rangordnung – faktisch gibt es eine Ungleichheit, bei der ich nicht sicher bin, ob sie im Laufe des irdischen Lebens aufgehoben werden kann. Der Weg dorthin bestünde im Streben der Menschen, den Urzustand wieder herzustellen und durch seine Gnade in das ungestörte Verhältnis mit Ihm zurückzukehren. Im Glauben ist aber klar, dass es keine Hierarchie gibt, so schreibt auch Paulus nach den schwierigen Aussagen: „Dennoch ist IM HERRN weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau.“ (Hervorhebung von mir)

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    1. Herzlichen Dank für die ausführliche Anmerkung. Da ich deinen Blog auch kenne, weiß ich, du bist vom Fach. Da kann ich natürlich als theologischer Laie nicht mithalten… umso mehr freut mich die Ergänzung! 🙂

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      1. Dann bin ich ganz froh, dass Du es als „Ergänzung“ aufgefasst hast, denn nur so war es gemeint und nicht etwa als Richtigstellung 🙂 Mich beschäftigt das Thema aktuell selbst viel und von daher war ich glücklich, hier etwas dazu gelesen zu haben! Herzliche Grüße!

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        1. Eine Ergänzung ist natürlich in gewisser Weise auch eine Richtigstellung. Aber das ist ja auch gut so! Wie soll man denn sonst dazu lernen? Darüber freu ich mich immer sehr! 🙂
          Herzliche Grüße zurück!

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