Statuens in parte dextra – ein pastorales Märchen

Vor vielen, vielen Jahren lebte in einem fernen Land  ein Schäfer und seine Schafherde. Die zogen jahrein, jahraus von Weide zu Weide mit dem Ziel eines Tages die eine große, schönste, grünste Wiese mit dem saftigsten Gras aller Zeiten zu erreichen. Das hatte ihnen ihr Schäfer so versprochen, wenn sie immer schön zusammenblieben, Gras fressen, einen Fuß vor den anderen setzen und tun würden, was der Schäfer sagte. Das war wichtig, denn er wusste am besten, was für die Schafe gut war und das lehrte er sie von klein auf.

IMG_0090~2

Eines Tages trug es sich zu, dass sich die Schafherde mitsamt ihres Schäfers in einem großen Wald verirrte, aus dem sie nicht wieder heraus fanden. Zwischen all den Bäumen war es dunkel und unheimlich. Und hier wohnten jede Menge anderer Tiere, die die Schafe noch nie gesehen hatten, Vögel, Kaninchen, Wölfe, Rehe … Die Schafe hatten keine Angst, denn der Schäfer war ja bei ihnen und würde sie beschützen und ganz sicher wieder aus dem dunklen Wald herausführen, zu der einen großen saftig-grünen Weide, von der alle träumten.

Während die einen lieber in der Nähe ihres Schäfers blieben, begannen Andere, nach anfänglicher Scheu, sich mit ihrer neuen Nachbarschaft vertraut zu machen und wagten sich schon mal alleine tiefer in den Wald hinein. Ganz ohne den Schäfer. Es könnte ja immerhin sein dass man alleine den Weg hinaus fände oder vielleicht konnte ihnen ja jemand den Weg weisen…?

Bald schon verband sie eine große Freundschaft mit den Wölfen.

Nee, halt, Stopp!

Wölfe sind echt flach in so einer Geschichte und außerdem viel zu negativ behaftet….

Also nochmal:

Bald schon verband sie eine große Freundschaft mit den…. Eichhörnchen!

Die konnten nämlich auf Bäume klettern und verrieten den Schafen, dass man von ganz oben in weiter Ferne eine sehr schöne grüne Wiese gesehen hätte.

Auf Bäume klettern können und von Ast zu Ast springen, das musste ja toll sein, dachten die Schafe. Ob sie das wohl auch konnten? Das mussten sie unbedingt mal mit dem Schäfer besprechen. Doch der und die anderen Schafe waren davon gar nicht angetan. Hatte man nicht immer gelernt, dass man nur zur großen saftig grünen Wiese finden würde, wenn man immer einen Fuß vor den anderen setzte?

Dass man von den Bäumen aus, außerhalb des Waldes sehen konnte…diese Eichhörnchen wissen doch gar nicht, wie die große grüne Wiese aussah, die konnten ja viel erzählen.  Nein. Also, Schafe haben auf dem Boden zu bleiben. Den Weg aus dem Wald würde man finden. Auch wenn es mühsam werden würde.

Doch es war schon zu spät, die Schafe waren entflammt für die Idee auf Bäume klettern zu wollen. Man sei doch nun mal jetzt hier im Wald und hier seien eben viele Bäume, da müsse man doch auch lernen sich anzupassen, statt immer auf dem finsteren Boden zwischen den Bäumen rumzugrasen. Den Weg hinaus würde man überdies so niemals finden. Wer sich erst mal im Wald verlaufen hat, findet nur wieder hinaus, wenn er das tut, was die Gegebenheiten erforderlich machen und die Vorteile nutzt, die sich bieten. Sie waren überzeugt davon, die Lebensweise der Eichhörnchen sei die einzig richtige im Wald und auch wenn sie Schafe waren, das machte doch nichts. Konnte nicht ein Schaf auch zugleich ein Eichhörnchen sein? Alles war möglich… im Wald.

Nach langer Zeit des Umherirrens im dunklen Wald, begann auch der Schäfer allmählich daran zu zweifeln, dass man hier je wieder rausfinden würde, wenn man sich nicht die Lebensweise der Eichhörnchen zu eigen machte, auf Bäume stieg und von oben den richtigen Weg auskundschaftete. Es sei jetzt doch mal an der Zeit alte Gewohnheiten aufzugeben und etwas Neues zu wagen. Schafe auf Bäumen? Warum eigentlich nicht? Außerdem nervten die Schafe doch sehr penetrant mit diesem Wunsch und irgendwann knickt man eben ein… Sollte man nicht, als Schäfer. Aber verloren im dunklen Wald, da kann sowas schon mal passieren.

Die anderen Schafe, die die ganze Zeit über vertrauensvoll in der Nähe ihres Schäfers geblieben waren, in der Hoffnung, er würde sie eines Tages aus dem Dunklen Wald herausführen, waren entsetzt und verängstigt. Das würden sie nicht wagen, auf Bäume klettern. Das war gefährlich und den Eichhörnchen trauten sie sowieso nicht über den Weg. Wie konnte also deren Lebensweise erstrebenswert sein? Nein, sie würden weiter einen Fuß vor den anderen durch den dunklen Wald irren und darauf vertrauen, dass sie so eines Tages aus dem Dunkel des Waldes hinaus auf die große saftig-grüne Wiese treten würden. Wie man es ihnen schon immer versprochen hatte.

So begab es sich, dass ein Teil der Schäfchen begann das Klettern zu üben, unter fachkundiger Anleitung der Eichhörnchen unter den wachsamen Augen des Schäfers. Sie kletterten immer höher und höher und  immer mutiger hüpften sie von Ast zu Ast… Der Schäfer musste entsetzt feststellen, dass er sie so nicht mehr würde schützen können, sie waren zu weit oben und er konnte sie nicht mehr erreichen.  Manche von ihnen kamen gar nicht mehr von den Bäumen herunter und lebten gänzlich das Leben eines Eichhörnchens.

Eines Tages zog ein gewaltiges Gewitter auf, es blitzte, donnerte und stürmte, dass sich die Bäume nur so bogen. Die Schäfchen auf den Bäumen konnten sich nicht halten und wurden vom Sturm erfasst und fielen herunter oder wurden weggeweht. Kaum eines der Schafe überlebte das Unwetter. Denn was keiner bedacht hatte, bei gutem Wetter auf Bäumen rumzuturnen mag für ein Schaf möglich sein, um sich bei Sturm auf einm Baum festzuhalten, dazu sind Schafe nicht gemacht…Die übrigen, die auf dem Boden geblieben waren, erlitten keinen Schaden.

IMG_0091~2

Durch den Sturm waren viele Bäume umgestürzt und es war heller und lichter geworden im Wald und in der Ferne konnte man sie sehen, die große saftig-grüne Wiese.

Es kann lange gut gehen und man merkt nicht mehr, dass man eigentlich ein Schaf ist und auf Bäumen nichts zu suchen hat. Wenn ein Sturm kommt, kann es plötzlich schnell gehen.

Der Teufel ist ein Eichh… oh… Mist… Nein, also das war jetzt nicht beabsichtigt. Pinguine. Es waren Pinguine!! Genau!

Aber ich schreibe das jetzt nicht alles nochmal neu.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Statuens in parte dextra – ein pastorales Märchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s