Grenzenlose Liebe

Über die Liebe eben. Und über Grenzen. 

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Letzthin unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die mir von einer unglücklichen Liebesgeschichte, von der sie Kenntnis erlangte, berichtete.  Kurz gesagt ging es dabei um eine interreligiöse Sache, die daran scheiterte, dass die Frau (Katholikin) ihren Glauben nicht aufgeben wollte, was aber Voraussetzung für eine Verehelichung gewesen wäre. Meine Bekannte kommentierte das mit großer Empörung darüber, wie so etwas in der heutigen Zeit eigentlich noch sein könne und dass Religionen, egal welche, wenn sie nur einigermaßen streng gelebt würden, immer Zwang und den Entzug von Freiheit bedeuteten.

Diese Geschichte ist natürlich, als Einzelschicksal betrachtet, sicherlich und ohne Frage ganz besonders tragisch.

Dennoch. Ist das wirklich so, dass Religion Zwang und Freiheitsentzug bedeutet?

Unsere Welt ist grenzenlos. Wir können, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, innerhalb kurzer Zeit zu jedem beliebigen Ort auf dieser Welt reisen, es gibt email, skype, Telefon. Wir können relativ problemlos eine Partnerschaft mit jemandem unterhalten der tausende Kilometer entfernt lebt.

Unsere Gesellschaft ist grenzenlos. Wir können „up-und down-daten“, keine Standesunterschiede verhindern mehr die Liebe zwischen zwei Menschen.

Nichts, gar nichts kann uns scheinbar aufhalten. Und dann funkt einem die Religion dazwischen. Oder eben zwei. Und setzt eine Grenze. Eine unüberwindbare. Weil zwei Menschen einander lieben, aber ihren Glauben noch mehr. Und das ist also schlecht.

Weil die Liebe zwischen zwei Menschen offenbar einen sehr viel höheren Stellenwert besitzt, in unserer Gesellschaft, in der heutigen Zeit, als die Liebe zu Gott. Weil eine Frau ihren katholischen Glauben nicht um der Liebe zu einem Menschen willen verleugnen kann. Vielleicht würde sie ja gerne, aber sie kann einfach nicht…?

Wir sind so vereinnahmt von dem Gedanken, dass nichts als der eigene Wille, die eigenen Entscheidungen zählen, die alle Hürden überwinden können, die sich uns in den Weg stellen, besonders wenn es um Liebe geht. Die Liebe zu einem anderen Menschen, die uns glücklich macht. Ein glückliches Leben. Dafür würden wir alles tun und deshalb verstehen wir so wenig, wie es Menschen geben kann, die sich gegen die Liebe zu einem anderen Menschen entscheiden oder von vorneherein entschieden haben.

Wer sich, entgegen aller eventuellen Widrigkeiten doch zur  Liebe bekennt, wird groß gefeiert. Ein Priester, der sein Amt aufgibt um eine Frau zu heiraten (oder mit einem Mann zusammenzuleben) wird beklatscht und zu seiner guten Entscheidung beglückwünscht. Als hätte er es endlich verstanden, dass nichts anderes zählt als Glück, Liebe und das alles in diesem Leben.

Weil es nicht normal ist, dass Menschen Gott so sehr lieben können, dass sie auf die Liebe zu einem Menschen verzichten. Dass es eine Liebe gibt, die stärker und tiefer sein kann, als die, die man für einen Menschen je empfinden könnte.

Aber sind es wirklich die Religion, der Glaube oder auch die Kirche selbst, die einem diese Zwänge auferlegen? Oder ist man das nicht doch selbst?

Die katholische Kirche verbietet die Ehe zwischen einem Getauften und ungetauften nicht. Aber ist es auch möglich? Man lebt im Grunde zwei Leben, nebeneinander her. Sicherlich manches auch gemeinsam. Aber man hat verschiedene Ziele, unterschiedliche Schwerpunkte und man kann wesentliche Dinge nicht teilen. Und über Glaubensthemen zu sprechen ist, als würde man versuchen „einem Blinden Farben zu erklären“.  Selbst wenn man sehr tolerant ist und den Glauben, bzw. eventuellen Nicht-Glauben des jeweils anderen respektiert, fehlt doch eine gemeinsame Basis. Es fehlt etwas, trotz aller Liebe.

Selbst ohne äußere Zwänge und Einschränkungen einer Religionsgemeinschaft, wenn man jede Freiheit hat, gibt es womöglich Grenzen, die die Liebe zwischen zwei Menschen oder das Lebensglück vielleicht nicht unbedingt verhindern, aber erschweren können. Wenn einer die Liebe und Aufmerksamkeit des anderen teilen muss, statt gemeinsam in der Liebe zueinander Gott zu lieben.

Die Grenzen und Einschränkungen für die Liebe ist nicht der äußere Zwang einer Religion, sondern in letzter Konsequenz ist die Grenze für die Liebe, die Liebe selbst.

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2 Gedanken zu “Grenzenlose Liebe

  1. Ich denke das ist ein schwieriges Thema… Ich hab da ein wenig persönliche Erfahrung (zwar nicht ganz so extrem, mit jemanden nichtgläubigen), es kommt denke ich auch immer auf die beiden Menschen selbst an wie und wie gut so etwas funktionieren kann… Und wie viel anderes man auch noch gemeinsam hat. Es fällt mir immer wieder schwer zu glauben, dass jemand, der bereits gläubig ist sich auf eine nichtgläubigen Person überhaupt einlassen kann… Das sind denke ich doch sehr spezielle Präzedenzfälle

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    1. Ja, das ist sicher kein einfaches Thema. Auf eine nichtgläubige Person einlassen ist natürlich eine Sache. Und eine andere, wenn die nichtgläubige Person schon da ist, aber nicht mit gläubig wurde…Ich finde es schon schwierig, selbst wenn man sonst viele Gemeinsamkeiten hat, einen so wichtigen Lebensbereich nicht mit dem wichtigsten Menschen teilen zu können.

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