Das eucharistische Picknick

„Quadraginta annis proximus fui generationi huic. et dixi, semper hi errant corde. ipsi vero non cognoverunt vias meas.“

Kürzlich las ich irgendwo den Halbsatz „Der Priester hinter dem Altar…“. Wie der Satz genau weiterging, weiß ich gar nicht mehr, denn bereits an dieser Stelle begann ich mich für einige lange Momente zu wundern.

Was um alles in der Welt macht ein Priester hinterm Altar? Irgendwo zwischen Altar und Wand…. Sucht er etwas? Macht er sauber? Versteckt er sich vor jemandem? Oder steht er einfach außerhalb der Kirche (also außerhalb des Gebäudes meine ich…obwohl…egal.)

Vielleicht handelt es sich dabei auch um so etwas wie Bielefeld? Einen Ort den es eigentlich gar nicht gibt, dessen Existenz aber beharrlich postuliert wird.

Und genauso ist es auch.

Eigentlich gibt es nämlich gar kein „hinter dem Altar“. Also, das gibt es schon irgendwie und da sieht es so aus.

Aber:

Alles worauf es eigentlich ankommt befindet sich darauf bzw. darin. Das dahinter ist zwar alles andere als irrelevant, aber es symbolisiert eigentlich das worauf man zugeht und eben gerade nicht das, wo man ist. (vgl. Ratzinger, „Der Geist der Liturgie“ Kapitel 3 und überhaupt, am besten gleich das ganze Buch…)

Jetzt ist es natürlich so, auch ich kann das nicht leugnen, in einer weit verbreiteten Zelebrationsform ist man aber hinter dem Altar. Nicht man, aber immerhin der Priester. Und der ist einem möglicherweise ja in manchem voraus, aber uns sicherlich nicht vorausgegangen. Stattdessen befindet er sich an einem Ort, den es eigentlich nicht gibt, weil er nicht Ort, sondern Weg ist. Und das kann nur eins bedeuten. Man ist stehengeblieben.

Man stelle sich mal eine Gruppe von Menschen (Es könnten durchaus auch diese Schafe sein)  vor, die sich „auf dem Weg“ irgendwo hin befinden. Beispielsweise bei einer Wanderung.   Und der, der vorne her geht, die Gruppe sozusagen führt, bleibt plötzlich stehen und dreht sich um. Möglicherweise deshalb, weil einzelne aus der Gruppe immer wieder gerufen haben, dass ihnen die Füße ja so weh tun und sie außerdem bitteschön gerne mal wüssten, wo es eigentlich hin geht und sie gerne in diesbezügliche und überhaupt sämtliche Entscheidungen mit einbezogen werden wollen. Ein bisschen mehr Demokratie bitte.

Vor allem aber möchten Sie doch gerne genau wissen, wie der Reiseproviant zubereitet wird. Das kann man doch heutzutage eigentlich erwarten, wo es doch so viele Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt. Da ist es schon besser, man hat da ein Auge drauf.  Es bleiben natürlich alle stehen. Selbst die, die eigentlich weitergehen wollen, weil, alleine geht ja nun auch irgendwie nicht.

Also baut man einen Campingtisch auf und verlegt sich fortan auf kundenfreundliches Front-Cooking. Und damit die ganze Rast nicht so langweilig wird, man kommt ja nicht von der Stelle, darf jeder der möchte eigene Ideen einbringen und einen Bunten Abend veranstalten.

Die Hauptsache ist nur, dass alle zufrieden sind und keiner sich beklagt und übergangen fühlt.  Das Zentrum ist jetzt der Campingtisch geworden. Weil er ins Zentrum gerückt ist und damit keine Wegweisende und antreibende Wirkung mehr besitzt. Sodass jeglicher Gedanke an das weiterkommen auf dem Weg obsolet ist, weil man bereits glaubt, angekommen zu sein.

Das fröhliche Beisammensein mit netten Menschen bei einem eucharistischen Picknick genügt doch vollkommen. Und es ist soviel bequemer als immer in ein und die Selbe Richtung zu laufen und zu laufen und zu laufen und dieses Gefühl angetrieben zu werden endlich los sein zu können.

Aber eigentlich weiß man, dass man gar nicht angekommen ist, sondern nur auf halbem Weg aufgegeben hat. Und es werden immer mehr sich darauf besinnen, dass man weitergehen muss und nicht einfach ewig rasten kann. Möglicherweise vor allem die, die total ausgeruht sind, die, die noch nie Blasen an den Füßen hatten vom  wandern, weil sie garnichts anderes kennen als die gemütliche Runde um den Campingtisch und großes Bedürfnis nach Bewegung haben.

Zum Glück ist so ein Campingtisch ja schnell wieder abgebaut. Und deswegen mache ich mir eigentlich gar keine allzu großen Sorgen. Und deshalb und deshalb

Das wird schon wieder.

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2 Gedanken zu “Das eucharistische Picknick

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