Kekse und Milch

Über das Opfer

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Einmal sprach ich mit einem Priester. Ich spreche manchmal mit Priestern. Mit jenem sprach ich nur ein Mal.

Ich fragte ihn nach dem Opfergedanken in der Messe, da ich das Gefühl hatte, er würde das doch ein wenig , sagen wir mal, übergehen. Zugunsten des Mahles selbstverständlich.

Ich frug ihn also, wie er das denn genau begründe, rechnete insgeheim schon mit einem Kurzreferat zum Thema Urchristentum, erhielt dann allerdings die Antwort, dass das Wort „Opfer“ einfach sehr negativ belegt sei, durch „Verkehrsopfer“, „Kriegsopfer“ usw.  Mithin schlug ich vor, sich weiter auf Englisch zu unterhalten, da man hier ja die Unterscheidungen in „sacrifice“ und „victim“ zur Verfügung hätte und gab gleichzeitig zu bedenken, dass man doch den Kreuzestod Christi nicht einfach unter den…naja, ähm… „den Tisch“  fallen lassen könne.

Ich erklomm eine weitere Stufe der Verblüffung als ich daraufhin erfuhr, Jesus Christus sei überhaupt nicht gestorben. Er sagte nicht, er sei nicht tot, nein, er sagte „ist nicht gestorben“.  Wir waren übrigens beim deutschen geblieben. Ich stritt dies vehement ab, da mir diesbezüglich doch andere Informationen vorlagen.

Leider bekam ich einen Teil der weiteren Ausführungen akustisch nicht so richtig mit, weil ich auf Grund von spontanem Blutdruckanstieg kurzzeitig mein Gehör verlor. Vielleicht war das auch ein reiner Akt der Gnade Gottes. Ich glaube sogar, es war genau das.  Als ich mein Gehör wiedererlangte (Offensichtlich hatte ich mehr Gnade nicht verdient….) vernahm ich, dass Jesus Christus immerhin 33 Jahre gelebt habe und man doch vielmehr das Leben als den Tod in den Fokus nehmen müsse.

Ich bedauere sehr, dass dieses Gespräch, wo es doch gerade spannend zu werden schien, an dieser Stelle sein Ende fand, da wir unterbrochen wurden.

Dennoch reicht es aus für ein paar Gedanken.

In meiner Welt ist das Kreuzesopfer der Kernpunkt der Erlösung. Es IST die Erlösung.  Und das in der Messe, gegenwärtig gesetzte Opfer IST das eine Opfer zur Erlösung!

Was das Opfer in der Messe betrifft, klarer Fall, das ist sicherlich etwas zurückgetreten zugunsten des Wortes und das ist meines Erachtes auch eine der weniger schlimmen Neuerungen. Kann man so machen, muss ich echt mal so sagen. Und es ist ja auch so, dass es in der Geschichte immer auch gewisse Betrachtungs-Schwerpunkte gab. Zu sehen beispielsweise an unterschiedlichen Kruzifix-Gestaltungen, als triumphierender Sieger über den Tod oder als Leidenden. Aber wenn es an grundsätzlicher Bedeutung so weit zurücktritt, dass es eigentlich gar keine Bedeutung mehr haben soll…?

Auferstehung, ewiges Leben für alle,  ja bitte!!! ??  Aber die fällt doch nicht einfach so vom Himmel?

Wie muss man sich das vorstellen? Jesus. Ein netter Mann, vorbildliches Leben – wichtiges Dinner am Donnerstag – Freitag, Kater nach Party am Donnerstag, nicht weiter der Rede wert– Samstag ausschlafen und Sonntag dann plötzlich großes Hurra?? So geht das doch nicht!

Im Grunde ist das ganze doch eine Art „buddhisistierung“ des Christentums. Ein vorbildlicher Mensch, der nach erfülltem Leben, nach dem Essen (!) verschied, dessen Lebensweise wir uns zu eigen machen sollen, Friede, Freude….genau.IMG_0115~2

Leib und Blut ohne Tod und Opfer klingt auch irgendwie unheimlich vegan. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Schön weichgespült, politisch korrekt, friedlich und gewaltlos, weil Blut, Schmerz und Leid in unserer heilen Welt einfach nichts mehr verloren haben!  Ein Tod am Kreuz ist halt  zweifelsohne nicht gewalt-und schmerzlos. Aber die ganze Geschichte funktioniert einfach auch nicht gewaltfrei.  Für die Auferstehung und das ewige Leben für alle braucht es den Opfertod, der die Sünde der Menschen wegnimmt… Is so. Ende aus. Messe gelesen.

Ich habe dazu kein richtiges Fazit. Weil ich es nicht verstehe und auch bezweifle, dass ich es verstehen will.

Macht man sich als Opfer-Leugner nicht irgendwie zum undankbaren Selbst-Erlöser? Und degradiert Christus zu einem netten Menschen, der aber weiter nichts für einen getan hat, außer eben Vorbild zu sein? Will man einfach nicht abhängig sein? Nicht in seiner Schuld, in Gottes Schuld stehen?? Weil so ein Opfer einen dazu veranlasst, selbst auch Opfer zu bringen? Ist  das aber nicht auch die Zurückweisung der Liebe Gottes zu den Menschen in dem man diesen gewaltigen Akt der Liebe nicht annehmen will? Und wie sehr liebt man selbst, wenn man Liebe zurückweist?

Was bleibt da noch zu feiern eigentlich? Ist es nicht vielleicht wirklich die reinste Form von Anthropozentrismus? Der Mensch steht im Mittelpunkt und feiert sich selbst.

Vom Anthropozentrismus ist es ja nicht mehr weit bis zum Egozentrismus, und das ist, mal so nebenbei, ein wesentlicher Aspekt in verschiedenen „Satans-Kulten“…. Nur mal so, rein informativ ohne da jetzt was rein interpretieren zu wollen… Gar nicht… fiel mir eben nur so ein…

Wenn hier irgendwo trotz sorgfältiger Prüfung noch Oper statt Opfer steht…meine Lieblingsoper ist nicht etwa Parsifal sondern Tannhäuser…auch wenn Parsifal besser zum Thema passen würde, andererseits ist Tannhäuser weit weniger esoterisch. Das aber nur mal am Rande und völlig OT. Off Topic, nicht Deutschorden… wobei … Tannhäuser…. Schluss jetzt.

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2 Gedanken zu “Kekse und Milch

  1. Der Mensch, so kommt es mir bei derlei Ansichten vor, braucht gar keinen Erlöser mehr – vielleicht nicht mal mehr sich selbst – denn er ist von vornherein gar nicht erst erlösungsbedürftig. Tannhäuserisch gesprochen: Wenn der Venusbergbesuch kein Vergehen ist, brauch auch niemand Buße tun. Und für die Umkehr zum Heil und seligen Frieden auch niemand mehr sterben.

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    1. Das stimmt…. dann sucht man die Erlösung im Berg der Venus und Tannhäuser, Elisabeth und Wolfram leben fortan in einer interessant-modernen Familienkonstellation….keiner muß sterben und die Oper ist nur halb so lang… 😉

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