non sum dignus

Von Zeit zu Zeit  unterhalte ich mich mit Menschen. Und es gibt da so ein paar Themen, die immer wieder mal zur Sprache kommen und die… gewisse Spannungen hervorrufen, der unterschiedlichen Haltung wegen. Mein armes, gequältes Herz muss das ja irgendwie verarbeiten, deshalb schreibe ich es hier nieder.

Da wäre zum einen das wunderschöne, immer wieder gerne durchgekaute Thema Hand vs Mund (-Kommunion). Die Argumentation gegen Mund und pro Hand reicht da von ebenso entschiedenem wie unlogisch nicht-nachvollziehbarem „Ich nehme schon immer nur Handkommunion und lehne deshalb das andere ab.“ Über ein mir gegenüber nie so richtig deutlich aber dennoch klar erkennbar ausgesprochenes „Es hat so einen unangenehmen Hauch von Traditionalismus.“ bis hin zu einem richtiggehend niedlichen „Ich würd ja gerne mal, aber ich glaube, ich könnte das nicht! Das wäre mir zu nah“

Häää?

Der Handkommunion scheint großes Gewicht beigemessen zu werden. Denn man darf mitmachen. So richtig aktiv sein. Indem man sich den Keks die Hostie selbst in den Mund steckt. Mundkommunion erinnert ein bisschen an hilfloses „sich füttern lassen“. Und hilflos will man ja nun nicht gerne sein.Sondern ebenbürtig und gleichberechtigt. Arbeitsteilung. Man nimmt dem Priester sozusagen etwas ab. Ein Stück seiner Kompetenz möglicherweise.

Und es ist ein deutliches Zeichen von Selbstbestimmung. „Mein Mund gehört mir!“.

Zugegeben, man kommt sich schon recht nah, wenn das priesterliche Händchen einem den Leib Christi direkt auf die Zunge legt. Man könnte es durchaus als intimen Moment bezeichnen…. Aber sicherlich eher weniger ein intimer Moment zwischen der Person des Priesters und einem selbst, sondern letztlich zu einem mit Christus.

Dass man die Person des Priesters als so ungemein präsent empfindet, ist sicherlich eine Entwicklung unserer Zeit in der der Priester als Person sehr viel mehr in Erscheinung tritt. Es ist also hauptsächlich die persönliche Haltung zur Person des Priesters, die einen in diesem Fall einen wundervollen Moment der Vereinigung mit dem Herrn total verhagelt. Auf den Priester und seine Hand kommt es ja nun eher nicht so an und wenn man das verinnerlicht, bzw. alles andere gar nicht erst zulässt oder gar, und auch das wäre ja theoretisch denkbar, es einem einfach nichts ausmacht, einen solchen Moment mit einem Priester zu teilen, ist das alles vollkommen unproblematisch und keines Gedankens wert.

Bei der Mundkommunion würde einem vermittelt, die eignen Hände seinen zu unwürdig für den Leib Christi. Unwürdig sind wir alle sowieso, das geben wir auch selbst zu. Zumindest den tätig teilnehmenden sollte das mal aufgefallen sein. Zumindest den tätig teilnehmenden sollte das mal aufgefallen sein. (Ich weiß, der Satz ist doppelt, ich wurde darauf hingewiesen, und habe mich entschlossen, das so stehen zu lassen, denn manche Dinge kann man nicht zu oft sagen.)  Und doch erlaubt Jesus Christus uns sich mit ihm zu vereinigen. Nicht mit unseren Händen, sondern wir dürfen ihn in uns aufnehmen! Das ist doch viel mehr, als anfassen…

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Ähnliches bei der Beichte. Ich hörte, dass so mancher gewisse Dinge nicht beichten mag, weil sie „zu privat“ seien und man sie dem Priester nicht erzählen möchte. Ich erzähle beim beichten dem Priester überhaupt nichts, sondern Gott. Der Priester sitzt da nur beauftragter Weise. Und ihn gehen weder private noch weniger private Sachverhalte was an.

Es ist natürlich sicherlich weder schön noch nett, da ein Priester nun mal auch ein Mensch ist, in ihm nur ein persönlichkeitsloses Gefäß zu sehen. Aber es sollte doch auch keine Schwierigkeit darstellen zwei Dinge voneinander zu trennen. Oder ist es doch so schwer und ich habe einfach nur das Glück, dass ich mir darüber keine Gedanken mache? Es ist doch so vielen Menschen auch möglich, sich im Beruf mit einer gewissen professionellen Distanz zu begegnen, sich z.B. zu siezen und nach Feierabend eine Freundschaft zu pflegen.

Je mehr aber die Person, die Persönlichkeit des Priesters ein Gewicht bekommt und in den Vordergrund rückt umso mehr wird auch diese Person in den Mittelpunkt gerückt, leider auch da, wo es wirklich absolut nicht sein sollte, in der Messe in der er ja auch, als Hauptperson einsam hinter dem Altar stehend, den Gläubigen zugewendet und so auch zum Fokus wird, völlig unwillkürlich und automatisch und alles nur an dieser Person hängt.

Hier sieht man aber auch sehr deutlich, was eben diesen, von mir schon häufiger angesprochene „auf menschliche Ebene“ bringen, für Auswirkungen haben kann. Letztlich geht es vielleicht gar nicht konkret nur um Mund-oder Handkommunion, aber dieses Beispiel zeigt überaus deutlich die ganz unmittelbar spürbaren („erlebbaren“)  Folgen und ebenso ein Eingeständnis dafür, wie verkehrt diese „Vermenschlichung“ ist. „Ich will nicht dass diese Person des Priesters mir zu nahe kommt. Und ich will ihm keine persönlichen Dinge erzählen“ Das ist deutlich. Daraus höre ich einen Wunsch nach Distanz. Dem man nur beikommen kann, in dem man zum einen den Leib Christi mit seinen eigenen Händen schändet entgegennimmt und mit gutem Gewissen Gott Entschuldigungen vorenthält, und damit sich selbst natürlich auch vollständige Versöhnung und letztendlich doch unwürdig für den Empfang des Leibes Christi macht. Aber sicherlich nicht nur die Hände.


Ich schreibe solche Dinge nicht, weil ich glaube, dass ich es besser weiß und besser mache. Es ist lediglich Ausdruck großer Sorge.

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8 Gedanken zu “non sum dignus

  1. Da triffst Du einen wunden Punkt…
    Die Argumente für eine Handkommunion (sind das überhaupt wirkliche Argumente?) sind mir generell schleierhaft, eigentlich, so im Nachhinein betrachtet, war es für mich immer unangenehm die Kommunion so zu empfangen – Ich wusste nicht so wirklich wie ich danach mit meinen Händen verfahren sollte… Heute ist es zwar, wenn man die neue Messe besucht (was Du glücklicherweise ja nicht tun musst^^), eine Überwindung entgegen allen anderen Handkommunionempfängern (die ja nun mal in der Überzahl sind…) gerade das nicht zutun, aber ich fühle mich hinterher wenigstens nicht so schlecht und kann alles weiterhin antatschen. 🙂
    Beim Thema Beichte fällt es mir aber in der Tat auch nicht immer leicht den „menschlichen Priester“ in dieser Distanz zu sehen… Auch wenn ich schon öfter auf eben genau das, was Du auch hier schreibst, hingewiesen wurde, hat sich bei mir da der Schalter noch nciht ganz umgelegt… Aber letztendlich ist das wohl zweitrangig, so lange (oder wenn?) man sich trotzdem zur Beichte durchringen kann…. Da liegt dann ja vielleicht das größere Problem, dass man den „Priester-Freund“ nicht erzählen möchte was man so angestellt hat… Aber meistens ist man ja heute ohnehin der Ansicht das man nicht sündigt… Probleme über Probleme…

    Jedenfalls vielen Dank für diesen Beitrag! 🙂

    Gefällt mir

    1. Ja! Da sprichst du was wichtiges an, was ich hier garnicht genannt hatte. Was macht man hinterher eigentlich mit seinen Händen?Man hat Christus-Partikel an den Fingern und wischt sie an der Hose ab?

      Was die Beichte betrifft, vielleicht bin ich da wirklich irgendwie, aus einem mir unbekannten Grund, total schmerzfrei und schrecke auch nicht vor Beichtgesprächen im Büro zurück… Gebe aber zu, dass ich da schonmal einfach die Augen zumache, das hilft ja auch. Aber es ist ja wirklich nicht ganz einfach sowas. Ein Priester ist halt ein Mensch und es ist ja auch völlig klar, dass er das nach der Beichte nicht einfach so vergisst, auch wenn es als Vergessen gehandhabt wird und es nie wieder zu Sprache kommt. Bei dem einen oder anderen würde ich auch wirklich nur in der allergrößten Not beichten.

      Eben. Es wird ja heute garnicht mehr gesündigt.. oder anders gesagt, das Sündigen hat vielleicht heute einfach teuflisch-tugendhaften Charakter….? .und keiner hats gemerkt….

      Gefällt 1 Person

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