Architekturkritik – Gedankenskizzen

Weitere Behauptungen und Gedanken. in die Welt hinaus geworfen…

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Ich wundere mich immer wieder über zeitgenössische Star-Architektur, oder die, die es gerne wäre. Nicht nur bei Sakralbauten, da allerdings besonders.

Die zeitgenössische Architektur, ganz deutlich so etwa ab der klassischen Moderne, will gerne zeigen, wie schön und nützlich  sie nur aus sich selbst heraus ist. Ein Gebäude wird nicht nur für einen bestimmten Zweck entworfen, sondern es zeigt gleichzeitig wie gut es diesen Zweck erfüllt. Ein Museum ist nicht nur einfach ein Museum mit dem einzigen gestalterischen Ziel, das Ausstellen von Exponaten aller Art in bestmöglicher Weise für die Exponate und den Betrachter zu erschaffen.

Es will zugleich auch sich selbst ausstellen und wahrgenommen werden. So schlicht und zurückhaltend sie ist, diese Architektur, so sehr schreit sie damit nach Aufmerksamkeit. Fishing for compliments für die geniale Puristik, den entwerferischen Kunstgriff. Gebäude die einem bestimmten Zweck dienen sollen, werden Ausdruck des Ausdrucksdrangs des Architekten, der sich selbst als Philosoph und Weltveränderer sieht.  Er will sich selbst verewigen in seinem Kunstwerk und macht seine Ideen und Visionen zum Zentrum des Gebauten. Der eigentliche Zweck tritt dahinter zurück.

Zum einen das für einen bestimmten Zweck geschaffene Gebäude, was die allererste und wichtigste Bestimmung ist. Eine Kirche ist ein Gebäude für den Gottesdienst. Ein Konzerthaus für die Aufführung von Musik. Das geht im Zweifel alles in jedem beliebigen Gebäude. Dazu kommen spezifische Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Unter anderem sind das in einem Konzerthaus die Anforderungen an die Raumakustik, in einem Museum die Belichtung. Und in der Kirche die Liturgie. Das ist die Grundvoraussetzung, nämlich das Gebäude für den Zweck, dem es dient, in bester Weise nutzbar zu machen. Und neben diesen Grundbedürfnissen gibt es jeweils allerhand Maßnahmen, die diesen Hauptzweck unterstützen. Um das alles in bestmöglicher Weise vereinen zu können, bedarf es natürlich Wissen um und größtes Verständnis für den Zweck.

Architektur hat aber nur zu dienen. Eben der vorgesehenen Nutzung eines Gebäudes. Sie darf und soll mit vorhandenen Stilmitteln unterstützen, um die Nutzung gewinnbringender zu machen und auch im Sinne der Nutzung zu erziehen. Aber sie darf nie, nie, nie sich selbst und ihre Stilmittel über die Nutzung stellen, niemals sich selbst zum Hauptgegenstand des Gebäudes machen. Und  erst recht nicht darf eine Entwurfsidee, den Hauptzweck des Gebäudes einschränken, damit sie funktionieren kann.

Heute hat man als Architekt immer den Drang das Rad neu erfinden zu müssen, zu wollen. Es muss immer etwas nie dagewesenes sein. Und es muss, das ist einer der größten Unterschiede zu den Baumeistern früherer Zeiten, eine persönliche Philosophie, eine Ansicht, eine Weltsicht im Entwurf untergebracht werden. Auch hier wird erzieherisch gewirkt. Aber nicht im Sinne einer den Zweck unterstützenden Idee, sondern mit, die persönliche Haltung des Entwerfenden unterstützenden Mitteln.

Ideen, Visionen, perfektionierte technische Möglichkeiten waren es auch, die der Gotik zu ihrem Aufstieg verhalfen. Aber nicht der Selbstzweck, die „Raumerfahrung“, das ausreizen des technisch machbaren, um es einfach getan zu haben, sind hier der Grund. Sonder der, dass die Architektur, die Baukunst-und Technik etwas unterstützendes ermöglichen.

Sie haben viel gemeinsam, die Gotik und die Moderne. Die Grundlegenden Stilmittel sind sich sehr ähnlich. Die sichtbare Konstruktion, die zugleich Gestaltungselement ist, die gläserne Filigranität, die revolutionäre Neuheit des gesamten Stils, als Abgrenzung zum vorher Dagewesenen. Sie sind radikal.

Und gleichzeitig so unterschiedlich. Sind die Stilmittel der Gotik einzig dazu da um den Zweck des Kirchengebäudes zu stützen, nahezubringen und fühl-und sichtbar zu machen und ist jede Entwicklung dieser Stilmittel nur aus diesem Grund geschehen. Die Moderne will sich abgrenzen von vorher dagewesenem, sie protestiert, sie lehnt sich auf und entwickelt damit einen Zweck, der über den der Nutzung des Gebäudes hinaus geht.

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