kalte Füße?

Übers Heiraten

Es gab Zeiten in meinem Leben, da war ich nicht katholisch. Ziemlich lange sogar. Auch in vor-katholischer Zeit lebte ich schon mit meinem Hausheiden zusammen. Und schon in vor-katholischer Zeit hatten wir beschlossen, irgendwann zu heiraten. „Irgendwann“, genau…. Ich wollte immer heiraten.  Diese Verbindlichkeit, die damit einhergeht und damit eine Beziehung nochmal auf eine ganz andere Stufe hebt.  Mit Brief und Siegel. Für mich stand auch seinerzeit völlig außer Frage, dass diese Ehe natürlich meine erste und letzte sein sollte. Klar. Sonst kann man es ja auch gleich bleiben lassen.

Jetzt bin ich katholisch. Und wir leben hier in, sagen wir mal schwierigen Umständen. Enthaltsamkeit hin oder her. Es ist ganz klar so nicht für einen Dauerzustand geeignet. Es muss jetzt mal so langsam geheiratet werden. Und nicht nur „irgendwann“, als unverbindliche Absichtserklärung… sondern es sollte dann jetzt auch mal konkretisiert werden.

Und ich beginne nachzudenken.

Ich werde ihn natürlich heiraten, der Hausheiden. Und das ist dann für immer. . Ich hatte 8 Jahre lang keinen Zweifel, dass ich den Rest meines Lebens mit meinem Heiden verbringen will. Und ich habe auch jetzt keinen. Natürlich nicht.  Aber plötzlich tauchen so grundsätzlich-theoretische Überlegungen auf… Es ist für immer!  Und nicht nur das „immer“, das man sich am Tage der Hochzeit vornimmt und von dem man 10 Jahre später sagt, es hätte eben nicht gehalten. Es ist nicht nur die Hoffnung am Tage der Hochzeit, es möge bitte für immer sein. Es ist verbindlich.

Und davor kann man und sollte vielleicht sogar Respekt haben .Endgültig eine Entscheidung zu treffen, die nie mehr rückgängig zu machen ist. Und es gilt in unserem Fall ja nur für mich. Für ihn, der eine kirchliche Heirat nur mir zu liebe auf sich nimmt, ändern sich die Konsequenzen nicht. Er könnte mich irgendwann sitzen lassen, die Scheidung einreichen und irgendwas Neues anfangen. Für ihn, als Atheisten oder was auch immer, ist eine Ehe vor Gott nun mal nicht bindend. Ich werde das nicht können. Können natürlich schon… aber… Muss man ja nix zu sagen…

Was ist denn, wenn plötzlich doch der berühmte Schauspieler / Sänger / was auch immer, einsieht, dass ich, ICH, die Frau seines Lebens bin? Das geht dann nicht mehr…  Oder was, wenn des Heiden heimliche Traumfrau ihn erhört?
Wissen kann man es natürlich nicht, egal wie sicher man sich ist zu lieben und geliebt zu werden, ob sich eines Tages nicht etwas ändert.

Kommen all diese Gedanken vielleicht von einem viel zu lange andauernden prüfenden Zustand relativ unverbindlichen Zusammenlebens? In einer früheren Beziehungsphase mit jeder Menge Verliebtsein und Schmetterlingen, fragt sich all das gar nicht. Solche Überlegungen sind da doch unvorstellbar. Richtet man sich etwa, ohne es zu merken, so gut in der Unverbindlichkeit ein, dass einen die „Schrecken der Verbindlichkeit“ plötzlich so eiskalt erwischen? Wären wir längst verheiratet oder hätten weiterhin nicht die Absicht, es je zu tun, oder vielleicht „mal irgendwann“, ich würde mir alle diese Fragen gar nicht stellen. Nur ist es jetzt so eine Art „letzte Chance“ dafür.

Dazu kommt,  dass solcher Art Verbindlichkeiten gesellschaftlich nicht großartig präsent sind. Meine Mutter, seit über 40 Jahren verheiratet, riet mir seit ich mich erinnern kann, vom heiraten ab. Man müsse das ja heute nicht mehr und sie würde es auch nicht mehr tun. Seinerzeit heirateten meine Eltern aus eher praktischen Gründen, da sie nur so eine gemeinsame Wohnung beziehen konnten. Nun hat es ja offensichtlich für etwas mehr gereicht.

Unterschätzen darf man sicherlich auch nicht die Beeinflussung durch das persönliche Umfeld, insbesondere in eventuellen kritischen Zeiten. Natürlich kommt es ein wenig aufs Umfeld an. Doch würde ich meinen, dass in der Regel vor einigen Jahrzehnten mehr Zuspruch kam, sich aus tiefstem Tal wieder hochzuarbeiten, als man es heute erwarten kann. Ich habe gar den Eindruck, dass man insbesondere von Frauen erwartet, schnellstmöglich seine Sachen zu packen und sich „ja nichts gefallen zu lassen.“ Es ist nicht sehr en vogue, Kompromisse zu machen. Ähnlich schlecht scheint es mir ums Verzeihen bestellt zu sein. Man muss unter allen Umständen selbstbestimmt sein, von niemandem abhängig und möglichst niemandem verpflichtet. Der Karriere vielleicht…

Jetzt soll das alles nicht heißen, man müsse sich alles gefallen lassen, alles ertragen. Zumal ja auch nie nur einer Verantwortlich ist für das gelingen. Einen notorischen Fremdgänger soll man nicht ertragen müssen, er soll das einfach sein lassen! (Hiermit meine ich ausdrücklich nicht meinen Hausheiden!!)

Keine dieser Überlegungen lassen mich wirklich so stark zweifeln, dass ich unsere gemeinsame Zukunft ernsthaft in Frage stellen würde. (Es sei denn, dieser eine tolle Typ würde sich noch ganz schnell melden…. 😉 ) Aber ich wollte es mal durchdacht haben, auch wenn ich vor lauter überschwänglicher Vorfreude eigentlich schon mal nach Kleidchen und Blumenschmuck Ausschau halten sollte. Vielleicht sieht man das alles nach 8 Jahren etwas nüchterner. Und vielleicht wären solche nüchternen Überlegungen generell jedem anzuraten?  Aber das kann ich erst später mit Sicherheit sagen.

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40 Gedanken zu “kalte Füße?

        1. Ich hoffe, du kannst dann auch mit dem Ruhm umgehen! Kreischende Fans, jeder will ein Autogramm von und ein Selfi mit dir… Du wirst nicht mehr zum Bäcker gehen können ohne dass anwesende Damen anfangen aufgeregt zu tuscheln „Das ist doch… ist das nicht…?? Ist er’s wirklich?“ 😉

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          1. Wenn ich bei der traditio panis erst die holden Bäckereifachverkäuferinnenhände küsse, dann den Brotbeutel, sowie vor Antreten des Rückweges die üblichen Reverenzen erweise, sollte es doch allen klar sein … 🙂

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  1. Ein kleiner Gedanke dazu, der m.W. von einem bei Euch in Deutschland vermutlich völlig unbekannten Wiener Lokal-Seligen, einem Gewissen Pater Hofbauer, stammt: Es ist doch völlig klar, daß eine lebenslange Ehe für zwei Menschen weder zumutbar noch machbar ist. Sonst hätte Gott ja kein Sakrament daraus machen müssen.

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