Ich kann schlechte Zelebranten sehen

Genervt bin ich. Unzufrieden. Angefressen. Außerdem wütend und zornig! Und das während der Messe. Nicht immer, manchmal nur ein bisschen. Gelegentlich aber richtig schlimm.  Der Grund dafür sind, das sage ich jetzt ganz frei heraus

unterirdisch schlechte Zelebranten

Ich meine nicht, dass mal ein kleines Fehlerchen hier und da auftritt. Das kann schließlich passieren, sind ja auch nur Menschen. Nein, ich rede von gedankenlosem, aus Ignoranz und Überheblichkeit geborenem, anhaltendem Fehlverhalten.

Sicherlich, davon gibt es mehr und weniger schwerwiegende Ausprägungen. Ab und zu bin ich besonders schlimmen ausgesetzt. Das mag man von mir aus gerne für völlig überzogen halten, aber ich leide unter sowas, sehr.
Natürlich stehe ich nicht neben dem Zelebranten am Altar und dementsprechend muss ich ja gar nicht das ganze Ausmaß der Katastrophe mit ansehen. Ich kann es aber erahnen. Und das ist schlimm.

Stattdessen sitze/knie/stehe ich in der Bank und ergehe mich, meiner Andacht beraubt, in Phantasien, wie man von hinten den Priester dazu bekommen könnte, das zu tun, was er soll. Aktuell prüfe ich die Möglichkeit durch gezielte Würfe mit nutzlos herumliegenden Gesangbüchern, den Zelebranten an den betreffenden Stellen zum inklinieren zu überreden.

Auch an die Notwendigkeit der Einführung der liturgischen Soufflage, zum rechtzeitigen einflüstern schwieriger lateinischer Wörter, zur Vermeidung peinlichen Herumstolperns in laut gesungenen Texten, dachte ich bereits.

Die durch statistische Hochrechnungen, unter Zuhilfenahme des Versus Deum-Koeffizienten ermittelten,  zu erwartenden Fehler während des Kanon, ergeben bisweilen allerdings die dringende Empfehlung zur Nachschulung.

Unbenommen, einen Großteil meines Leidens habe ich meinem selbstverschuldeten Wissen zuzuschreiben! Das wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Als Weib muss man keine Rubriken kennen. Ist so. Wozu auch?   Es würde sich sicherlich leichter leben, wenn alles noch so schön wäre, wie in meinen Alte-Messe-Anfängen, als einfach alles nur toll war und mein Schott noch keine Bissspuren aufwies.

Auftretende Fehler sind allerdings sicherlich nicht die Schuld dessen, der sie erkennt, sondern dessen, der sie macht und vermeiden könnte. Beispielweise durch ein Mindestmaß an Vorbereitung, etwas Übung, Disziplin und…um Himmels Willen, einem kleinen bisschen Körperspannung. (Dann würde so manche Geste zur Gebetsaufforderung nicht aussehen, wie die mit Bedauern vorgetragene Mitteilung „Tomatensuppe ist leider aus!“)

Das wiederum setzt allerdings eine gewisse Ernsthaftigkeit, bzw. ein Ernstnehmen der sogenannten außerordentlichen Form seitens des zelebrierenden Priesters voraus.

Und hier liegt wohl der eigentliche Grund meines Ärgers.  Ein bisschen Alte-Messe-Reenactment-Show am Sonntagabend ist irgendwie nicht die Erfüllung. Diese Ahnung, dass es für den/ die zelebrierenden Priester nur ein Spiel ist, verkleiden und experimentelle Archäologie, die Gewissheit, dass eben jene am nächsten Tag wieder hinter ihren Volksaltären stehen und das, was sie da tun, für das einzig wirklich Wahre halten…
Es ist eben kein vergangenheitssehnsüchtiger Nostalgieakt, bei dem man sich an den Äußerlichkeiten eines toten Museumsstücks aufgeilen will. Es ist das heilige Messopfer. Und zwar nicht nur das, sondern DAS! Man (oder jedenfalls ich) geht nicht in die „außerordentliche Form“, weil man mal ab und zu ein „schönes Stück Liturgie(geschichte)“ erleben will, sondern weil es das einzige Stück Liturgie ist, das den Namen überhaupt verdient! Und es ist überaus schmerzlich zu ahnen, bisweilen sogar zu wissen, dass der Zelebrant diese Ansicht nicht teilt, sondern da Vorne nur spielt und das auch noch merklich leidenschaftslos.

Mag sein, ich wirke etwas undankbar, für Relativierungen bin ich nur gerade nicht disponiert.

 

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14 Gedanken zu “Ich kann schlechte Zelebranten sehen

  1. Wissend zwar um die selbst in unseren Kreisen zuweilen aufwabernde Häresie der Formlosigkeit und längst nicht jener Feind der Rubrik, als den mich zumindest einer hier womöglich wähnen mag, bin ich doch froh, auf diesem Feld weitestgehend schmerzfrei zu sein … 😉

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