Disziplin und Inspiration

über eine legitime Art zu lieben

Die Geißelung unseres Herrn ist unter allen Martern, die er ausgestanden hat, diejenige, welche Buße und Eifer am leichtesten nachahmen können. […]Und wenn es nicht rathsam ist, sie allen und jeden Personen anzurathen; so ist es noch weniger rathsam, sie allen zu untersagen. Man kann nicht ohne Verwegenheit eine Bußübung verdammen oder verachten, welche so viele Heilige gebraucht, so viele weise Stifter der Orden vorgeschrieben und empfohlen haben […] Sich der aus Buße gegebenen Züchtigung schämen, heißt gewissermaßen, sich der Geißelung Jesu Christi schämen. Wenn diese Uebung demüthigend ist; so war es ja die Strafe der Geisselung nicht weniger […]Sich regelmäßig und mäßig peitschen, vereinigt uns mit der Geisselung Jesu Christi, eignet uns ein Verdienst zu, prägt uns das Andenken daran ein, und reizt uns zur Dankbarkeit. Es demüthigt das Fleisch, zähmt es, macht es unterwürfig, büßt seine Ausschweifungen, und unterdrückt seine Bewegungen und Empörungen; es unterhält die Inbrunst und Fröhlichkeit des Geistes, vertreibt die bösen Gedanken, reißt ihn aus dem Schlummer, aus der Trägheit und Verdrossenheit, denen er sich von Natur so gern überläßt, und macht ihn geschickter, sich zu Gott zu erheben, und himmlische Sachen zu schmecken.[…] Denn wir dürfen unser Leben nicht ohne alle körperliche Bußübung und Aehnlichkeit mit unserem Heilande zubringen, wenn wir Erben seiner Herrlichkeit werden wollen.

Bonaventure Giraudeau, Das betrachtete Evangelium auf alle Tage im Jahre, nach der Übereinstimmung der vier Evangelisten, siebenter Theil

„Du trägst sowas doch nicht etwa, oder?“ lautete eine privat geäußerte Frage zu meinem letzten Beitrag, dem Foto eines Bußgürtels.

„Doch, klar! Du etwa nicht?“ hätte ich sagen sollen….. Stattdessen ziemlich lahm-scherzhaft übertreibend  „Ach was! Ich geißele mich nur Freitags immer“ um die unangenehme Situation zu überspielen. Aber eigentlich finde ich das einfach nur bescheuert. Und deshalb, sprechen wir mal darüber.

Man tut sich ja nicht zum Selbstzweck weh. Weils so viel Spaß macht. Gibt’s auch, gehört aber ganz woanders hin. Es handelt sich auch keineswegs um eine Art persönlichen Ehrgeiz, bei dem man seinen Körper schindet und sich quält, um hinterher die Gewissheit zu haben, beispielsweise zig Kilometer gelaufen zu sein. Letzteres stößt ja auf überraschend großes Verständnis, sogar Anerkennung.

Nein, um Anerkennung soll es selbstverständlich nicht gehen. Aber das sollte es bei keiner Frömmigkeitsübung. Welcher Art auch immer, ob körperlich oder nicht. Ein plakatives zur Schau stellen, ein „Schau nur, wie toll ich bin“ ist immer fehl am Platz. Das nimmt sich unterm Strich nichts, die penetrant vorgetragene Gebetsversicherung für den armen Sünder um die Ecke oder das Tragen eines rückenfreien Oberteils nach erfolgter Selbstgeißelung.

Zugegeben, sich körperlich zu züchtigen ist zur Zeit nicht gerade die große Mode. Möglicherweise ist man auch der Ansicht, da mit der Zeit etwas Unnötiges überwunden zu haben. Blut und Schmerz muten doch schon sehr gestrig an. Und gesund kann das auch nicht sein.  Aber sind wir mal ehrlich, wie viele Dinge tut man, von denen man weiß, dass sie nicht gesund sind? Und ich meine, wirklich nicht gesund.
Wie bei allem was man tut, kommt es natürlich auch hierbei sehr darauf an, maßvoll zu sein.

Nein, ich möchte hier niemanden überzeugen. Wer kein Verlangen danach hat, muss sich weder geißeln, noch Bußgürtel tragen und wer Verlangen danach hat, tut das sowieso. Und auf keinen Fall ist der Eine besser oder schlechter als der Andere. Ich hoffe nur, ein wenig Einsicht hervorrufen zu können, das etwas was früher gut war und vielfach praktiziert wurde, heute nicht schlecht sein kann. Für den zumindest, dem es nützlich ist, um dem Herrn nahe zu sein.

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2 Gedanken zu “Disziplin und Inspiration

  1. Das ist ein spannendes Thema. Härenes Hemd oder Bußgürtel, Fasten, knien auf der harten Kniebank oder auf dem Boden, sitzen ohne sich anzulehnen; Fasten um der Buße Willen, . . . : wer es fassen kann, der fasse es. Die anderen sind sowieso nur am meckern, voller Unverständnis.

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    1. Ja, das ist auch ein spannendes Thema und völlig zu Unrecht so sehr mit Argwohn betrachtet. Wie ich kürzlich schon woanders kommentierte, es muss ja keiner, der nicht will, aber die die wollen, sind halt auch nicht durchgeknallt…. 😉

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