Adsum

über Mütter und Söhne

Mein Altar-Neid scheint ins unermessliche zu wachsen. Träumte mir doch vorgestern Nacht, in einem Priesterseminar zu weilen. Unerkannt als Frau. Aber in ständiger Furcht, es würde sicher bald rauskommen. Nun bin ich ja, wie man sich sicher denken kann, weder eine Befürworterin des Frauenpriestertums noch überzeugter Fan einer Päpstin Johanna.

Wie ich an anderer Stelle schon mal zugab, betrachte ich es als das größte Opfer meines Lebens, nur ein Weib sein zu dürfen. Doch auch daraus lässt sich ja was machen… 😉

Kann es also für eine Mutter, wenn sie anders die Dinge im Lichte des Glaubens betrachtet, ein größeres Glück geben, als einen Sohn zu haben, dem diese hohe und segensreiche priesterliche Würde übertragen ist, als die Mutter eines Priesters zu sein? „Von nun an“, so sprach die heil. Jungfrau in dem Bewußtsein Mutter des Erlösers der Welt, des göttlichen Heilandes zu sein, „von nun an werden alle Geschlechter mich selig preisen.“ Dasselbe Wort darf auch die christliche Mutter in den Mund nehmen, wenn ihr Sohn Priester wird. Hat nicht in der That die Mutter eines Priesters eine gewisse Aehnlichkeit mit der h. Jungfrau? Wie Maria der Welt den Erlöser gab, der ihr Heil brachte, so giebt diese Mutter der Welt einen Priester, der ihr das von Christo bereitete Heil bringt und vermittelt.[…]
Selig die Mutter eines Priesters! Und wenn der Segen, welcher von einem guten Priester ausgeht, so groß ist, wird dann nicht auch die Mutter, welche der Kirche diesen frommen Priester herangebildet und gegeben hat, an demselben und also auch an dem Lohne desselben Theil haben?

Vor ein paar Monaten berichtete mir eine Bekannte, mir eigentlich als sehr fromme, gläubige Frau in Erinnerung, ihr Sohn spiele mit dem Gedanken Priester zu werden. Statt sich darüber zu freuen, zeigte sie sich aber ausschließlich entsetzt über diese, noch gar nicht mal endgültig gefällte, Entscheidung. Ich hatte den Eindruck, wenn sie irgendwie könnte, würde sie es ihm am liebsten verbieten, überzeugt davon, der junge Mann rennt geradewegs in sein größtes Unglück. Die Hauptsorge bestand, so meine ich herausgehört zu haben, darin, dass man als Priester weder lieben, noch Liebe empfangen dürfe, zu immerwährender Einsamkeit verdammt sei und schließlich mit großer Wahrscheinlichkeit einer Depression anheimzufallen drohe.  Dass dahinter vermutlich die Annahme steckt, Erfüllung könne man  ausschließlich in körperlicher Liebe finden, ist ein anderes Thema, dass ich auch irgendwann schon mal angesprochen hatte.

Auf alle Fälle, nichts zu spüren vom großen Glück über die Ambitionen des Sohnes. Und meine Glückwünsche nahm sie leider auch nur mit skeptischem Blick zur Kenntnis. Ich finde das ausgesprochen schade, ja direkt traurig. Wie viel scheint man von einem Priester heute zu halten, wenn man den eigenen Sohn so ungerne als solchen sehen möchte? Und viel Liebe hat man zu Gott und der Kirche, wenn man nicht wenigstens ein Kind her schenken will…?

Wer  aber hofft und wünscht, einmal einen Priester zum Sohn zu haben, der gehe vor, wie folgt:

Steht es denn in  ihrer Macht, die Erfüllung dieses Wunsches zu bewirken? Wir beantworten diese Frage und kommen da durch dem eigentlichen Zwecke dieser Zeilen näher. Wir sagen: Ja! Eine Mutter kann gar viel zur Erfüllung jenes Wunsches beitragen. Zuvor haben wir nicht Anstand zu nehmen, folgenden Satz auszusprechen: Schon, daß eine Mutter, durchdrungen von dem Bewußtsein des großen Glückes, einen geistlichen Sohn zu haben, eines Priesters Mutter zu sein, den Wunsch darnach lebendig in sich trägt und nährt, schon das giebt in etwa Grund, zu hoffen. Wird sie nun nicht insbesondere in ihren Gebeten das Verlangen ihres Herzens dem Herrn vortragen? Mehr als einmal hat eine fromme Mutter zum Herrn geflehet, daß Er ihre Ehe mit einem mit Priesterberuf ausgestatteten Sohne segnen möge; und ihr Gebet ist erhört; oder die fromme Mutter hat, in der Hoffnung, daß das Kindlein, so Gott ihr geschenkt, ein Söhnchen sei, schon im Voraus es dem Herrn zum Opfer gebracht, daß es zur Zeit Priester werden möge und hat dann nicht aufgehört, für diesen hohen Zweck recht viel zu beten und viel gute Werke zu üben; und siehe, zur Zeit trat der priesterliche Beruf im Knaben oder Jünglinge zu Tage. Gehen wir weiter. Das Kind, der Knabe wächset hoffnungsreich heran; schöne Geistesgaben sind bei ihm mit vortrefflichen Eigenschaften des Herzens verpaart; dabei ein frommer, eingezogener Sinn. Die Mutter siehts mit Freuden; still regt sich in ihrem Herzen der Gedanke: „Sollte nicht ein Geistlicher aus ihm wachsen? O, wenn er doch Priester werden wollte!“ Genug für sie; sie empfiehlt diesen ihren Herzenswunsch dem Herrn immer von Neuem. Aber nicht allein. Sie benutzt gewisse Gelegenheiten, um in leichter Weise, vielleicht selbst scherzend, ihrem Lieblinge den Gedanken an das Geistlichwerden näher zu legen. Sie nimmt etwa den Kleinen (wir wollen ihn Joseph nennen) mit zur Kirche; er sieht den Pastor, den Kaplan am Altare, auf der Kanzel u. s. w. Zu Hause: „Unser Joseph hat den Pastor gesehen; nun will er auch Pastor werden.“ Es sind Fremde da, die sich für den Kleinen interessieren; die Mutter: „Sag ihnen mal, Josephchen, was du werden willst; er will Pastor werden.“ Joseph kommt in die Schule; er bekommt ein neues Buch; „Potz tausend, wenn unser Joseph nun einmal das Studieren anfängt, wie bekommt er dann erst Bücher. Und was für schöne Sachen wird er dann lernen!“ Oder es wird dem Kleinen an die Hand gegeben, sich einen Altar, eine Kanzel zu machen, u. s. w.; oder, es wird zur Zeit Sorge getragen, daß er zur h. Messe dient und bei gottesdienstlichen Verrichtungen Dienste leistet; oder zu Hause wird gern über die Geistlichen gesprochen in einer Weise, welche geeignet ist, dem Knaben Achtung und Liebe gegen sie einzuflößen; vielleicht gestatten es die Verhältnisse, mit den Ortsgeistlichen in geselligen Verkehr zu treten; sie kommen zuweilen zum Besuche ins Haus; der Kleine tritt ihnen näher, wird mit ihnen bekannt; vielleicht auch Nahrung für die Neigung zum Priesterstand.

 

W. Cramer, Die christliche Mutter in der Erziehung und in ihrem Gebete, 1872

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2 Gedanken zu “Adsum

  1. Tatsächlich halten sich Freude und Stolz von angehenden „Priestereltern“, aber auch Eltern von Ordensleuten, in Grenzen. Gründe dafür gibt es gar viele. Ich erwähne nur drei:
    Der schwache Glaube an Gott und seine Möglichkeiten. Aber auch die Angst, ihre Kinder an eine Kirche „abzugeben“, die sich in einem desolaten Zustand befindet. Und die mögliche Erkenntnis, die Tochter, der Sohn könnte in einigen Jahren ein Desaster erleben und müsse das Leben neu beginnen. HEUTE auf das Wort des Herrn bauen und GEHEN . . . Gott schenke seiner Kirche viele gute Berufungen!

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