Der vegane Volksaltar (im Schlachthaus)

von der Gnade der Ironie

Ich habe eine Freundin. Die ist durch und durch ironisch. Sprachlich vor allem. Aber auch sonst. Beispielweise im Konsumverhalten. Sie ist einer dieser Menschen, die Dinge kaufen, weil sie „so häßlich sind, dass sie schon wieder cool sind“.  Auf diese Weise kam ich übrigens zu meiner überaus entzückenden Weihwasserflasche.

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überaus entzückende Weihwasser-flasche

Richtig anfreunden konnte  ich mich mit  dieser Lebenseinstellung bisher irgendwie nie so richtig, die doch in unseren Tagen recht weit verbreitet zu sein scheint. Man möchte damit verdeutlichen, wie sehr man etwas NICHT benötigt und zwar so ganz und gar, dass man es deshalb kauft und trägt,( so es sich um Kleidung handelt. ) Oder auch sehr plakativ zur Schau stellen, etwas Unliebsames gänzlich überwunden zu haben. Beispielweise indem man ein veganes Restaurant in einem ehemaligen Schlachthaus eröffnet oder auch nur in Selbigem regelmäßig verkehrt.

Soweit leuchtet mir das ein. Ich habe ja schließlich auch ein evangelisches Gesangbuch, eine Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas, sowie eine CD der Kelly Family im Regal. Weil ich sie nicht brauche. Zugegebenermaßen habe ich diese Dinge nicht deshalb gekauft, aber ich habe sie deshalb behalten.

So kam ich kürzlich  auf den Gedanken, sich diese Haltung des ironischen Drüberstehens über Dinge, die man nicht braucht und für überkommen hält, doch einfach zu Nutze zu machen. Bezüglich Dingen, die man nicht braucht, für überkommen hält, nicht ändern kann und die einen quälen.  Sicherlich nimmt es der Zeichenhaftigkeit einiges an Schärfe, wenn man etwas nicht in voller Absicht gebraucht, sondern sich gewissermaßen arrangiert.

Dennoch kann es durchaus behilflich sein, so manche Seelenpein zu lindern, wenn man Ironie im Unliebsamen entdeckt und kultiviert.

In einem anderen Beitrag hatte ich die demonstrative Anwesenheit des Volksaltares beklagt. Weil dessen Anwesenheit einem beständig vor Augen führt… er wird benutzt, und zwar häufig. Deshalb ist er da. Statt mich aber nun daran aktiv zu stören, will ich fortan versuchen ihn mit Ironie zu betrachten. Als etwas, was ich nicht ändern kann, was ich nicht brauche und für überkommen halte.

Ein Volksaltar, der da ist, aber nicht benutzt wird, stellt ein sichtbares Zeichen für seine Nutzlosigkeit dar. Viel mehr eigentlich,  als ein nicht vorhandener.  Weil die Nutzlosigkeit sichtbar ist, wenn er so nackt und kahl da rum steht. Und weil es ihn eben gibt…gab…gegeben haben wird…

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