Es wäre doch zu absurd…

…die Sprache der Liturgie, die lateinische, zugunsten der Landessprache aufzugeben.

Ist es doch mehr als augenfällig, was damit alles einhergehen würde! Sprachlicher  Schindluder,  ja, es könnte sogar der Eindruck entstehen, dass letzlich alles veränderbar sei, nicht nur die Sprache… am Ende gar die  ganze Lehre, der Glaube, die Welt! Nein… also, alleine der Gedanke ist mehr als lächerlich…. Sowas verrücktes würde niemand tun…

Ebenso ging es auch im Abendlande, wo auch von dem Entstehen der Kirche bis auf den heutigen Tag keine andere Sprache, als die lateinische, in der Liturgie gebraucht worden, so sehr sich auch die vielen abendländischen Völker in ihren Landessprachen von einander immer unterschieden haben, und noch unterscheiden. Aber warum behält denn die Kirche die lateinische Sprache noch immer bey, nachdem dieselbe doch schon lange aufgehört hat, die Sprache des Volkes zu seyn?  Sie thut dieses aus guten Gründen.  Einmahl ist es unstreitig, obwohl die Sprache zum Außerwesentlichen einer Lehre gehört, indem die Worte nur das Kleid der Gedanken sind, daß dennoch die Änderung der Sprache eine Änderung der Lehre wenigstens in ihrer Auslegung leicht veranlassen kann. Würde nun aber in jeder Provinz die gangbare Landessprache, wie bey uns die deutsche, statt der lateinischen in die Liturgie ganz aufgenommen, wie lange würde es wohl anstehen, daß die in einer solchen lebenden Sprache abgefaßten Gebethe, damit sie nach längerer Zeit verständlich blieben, nicht wenigstens in einzelnen Wörtern und Ausdrücken müßten geändert werden, da lebende Sprachen mit der Denkungsart und den Sitten der Menschen nach der vor- oder rückwärts schreitenden Bildung derselben, fortwährenden Änderungen unterliegen? Man betrachte nur unsere Muttersprache, wie sehr änderte sie sich binnen fünf Dezennien? und Bücher von hundert Jahren, wie schwer sind solche zu verstehen? Derley oftmahlige Veränderungen aber der einmal zur liturgischen Sprache angenommenen, wären sie nicht selbst der Religion gefährlich? Würden durch die vielen Änderungen der Worte und Ausdrücke die damit bezeichneten Glaubenslehren nicht mit der Zeit auch einen anderen, wenn nicht falschen, doch zweideutigen Sinn erhalten, der mancherley Irrthümer erzeugte, da doch die liturgischen Bücher immer Haupturkunden von der Tradition, von der durch alle Jahrhunderte sich immer gleichgebliebenen Lehre der Kirche waren?  Auch würde die Religion durch Verdrängung der alten liturgischen Sprache an ihrer Achtung bey dem größeren Haufen unvermeidlich verlieren. Das Volk würde jene selbst nicht mehr für unantastbar und unveränderlich halten, wenn diese verändert würde, die es ihres Alterthumes wegen für heilig, der Religion wesentlich, und eben darum auch für unabänderlich hält, weil es die Nebensache von der Hauptsache, das Außerwesentliche von dem Wesentlichen bestimmt zu unterscheiden nicht im Stande ist, was die Geschichte unserer Zeiten vielfältig beweiset.

Und doch… Wer nicht hören will…. und so…


 

zitierter Text aus: „Liturgik – zunächst für angehende, aber auch für wirkliche Priester“  A. Seelhammer, Wien 1838

 

 

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