Glücklich mit Rubriken

Weil sein muss, was sein muss

Über Musikkritiker sagt man ja gerne, sie seien verhinderte Musiker, die ihren Frust über ihr fehlendes Talent durch das Bewerten derer, die es geschafft haben, abbauen. Ich selbst wäre eigentlich gerne Opernsängerin geworden. Hat nicht geklappt. Ja, selbst zum Opernkritiker hat´s nicht gereicht. (nicht, dass ich es je versucht hätte…) Stattdessen sitze ich nun Sonn-und gelegentlich Werktäglich in der Kirche, gelb vor Neid, dass ich ein Mädchen bin und warte auf Fehler, über die ich mich dann auslassen kann. Ganz schön erbärmlich.

Dann und wann wurde schon an mich herangetragen, es sei doch ein wenig erbsenzählerisch von mir, mich immer wieder an Zelebrationsfehlern-und Ungenauigkeiten aufzureiben. Zudem sei es ausgesprochen eingebildet und besserwisserisch.IMG_0010~2

Zu Punkt zwei kann ich sagen, erwischt. Ich habe sonst ja nichts…

Erbsenzählerei und Pingeligkeit bringt diese Art von Steckenpferd von sich aus mit. Es ist also keine persönliche Eigenschaft (nein, ganz und gar nicht) sondern es ist eine zwingende Voraussetzung um mit Rubriken glücklich zu werden. Es sei denn man ist Priester, dann spielt es keine Rolle, ob man damit glücklich ist oder nicht, man hat sie zu befolgen. Und hier sind wir an dem Punkt, der gelegentlich zu Unverständnis  führt. Ein Fehler, eine Ungenauigkeit hier und da, das könne doch nicht schlimm sein. Nein, das ist es auch nicht. Nicht, wenn jene Fehler und Achtlosigkeiten, ein Versehen sind. Kommen sie aber häufig oder gar immer vor, ist es schlimm.

Eben diese strenge Reglementierung von jeder noch so kleinen Bewegung, und das mag einen Neue-Messe-Routinier von mir aus zum Augen rollen veranlassen, ist wichtig, essentiell und alles andere als übertrieben.

Nein, ungültig wird so schnell natürlich nichts. Da gehört doch ein bisschen was dazu. Hier und da was auslassen, übergehen, schludrig ausführen. Das scheint alles nicht so dramatisch, für den Einzelfall. Dadurch wird die Messe, die Wandlung vor allem, nicht ungültig, damit das geschieht, braucht es ein bisschen mehr, mehr Nachlässigkeit oder mehr Vorsatz. Viel eher kann es passieren, dass sich der Priester versündigt, wenn er streng verbindliche Rubriken missachtet. Und nicht darauf hinzuweisen würde im Übrigen ja letztlich bedeuten, sich selbst einer fremden Sünde schuldig zu machen.

Der  Einzelfall jedoch, ist genau das, was die Nachkonzils-Liturgie, unter anderem, ausmacht. Eben durch die Fülle an Optionen und Wenig-bis Nichtreglementierung. Gemeinde A mit Pfarrer X macht es so, während Gemeinde B und Pater Y es wieder etwas anders machen… Sicherlich, das Opfer bleibt Opfer, wo es noch Opfer ist. Die Eucharistie bildet eine gewisse Konstante, aber da es, das Opfer, ohnehin schon ein wenig aus dem Mittelpunkt gerückt ist, fehlt es der Konstante vielleicht ein wenig an prägender Dominanz. Was ich meine, ist, das „irgendwie“ Vorhandensein des Messopfers an sich, reicht nicht. Nicht für eine hinreichende Gleichheit, Ähnlichkeit, Homogenität.IMG_0011~2

Ich hatte es in einem früheren Beitrag schon einmal zu visualisieren versucht, textlich wie bildlich. Je individueller das hl. Messopfer gefeiert wird umso zersprengter ist „die Kirche“, das Ganze, der Leib Christi.  Deshalb muss man unbedingt „das Ganze“ betrachten und nicht nur das unmittelbare Umfeld, für das kleine Abweichungen von den Rubriken hier und da, vielleicht keine entscheidende Rolle spielen würden (bis auf die Sünde natürlich, man kann es nicht oft genug sagen…..) Aber in der Summe aller gefeierten Messen, wäre die Masse der Ungenauigkeiten so groß, dass keine Selbstähnlichkeit mehr vorhanden wäre.  So wird deutlich, dass das was zusammen gehört, auch entsprechend gleich sein muss.

Um auf den  auf eingangs vorgetragenen Tadel an mich, es sei übertriebene Erbsenzählerei, ständig Fehler(chen) negativ zu registrieren, zurückzukommen. Was nicht eindeutig reglementiert ist, ist zwangsläufig optional. Und um also jegliche Optionalität, und sei es bei kleinen Gesten, entgegenzuwirken müssen sie bis ins Kleinste genau festgeschrieben sein, bindend, nicht fakultativ.

Und weil das so ist, darf man Regelübertretungen schlecht finden. Ja, muss sogar!

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3 Gedanken zu “Glücklich mit Rubriken

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