Sub gravi, or not…

…die Rubriken sind deine Freunde.

 

Wenn er am Altar stehend, Christus repräsentiert, sollte er alle individuellen Eigentümlichkeiten, selbst die kleinste Übertreibung, alles was die Aufmerksam auf seine Person zieht und von der erhabenen Handlung die er ausführt, ablenkt, ablegen.
Dabei helfen jene Rubriken, die die Handhaltung des Zelebranten, die Bewegungen seiner Augen und die verschiedenen liturgischen Gesten betreffen, nicht nur Anmutungen von Unehrerbietigkeit, Gleichgültigkeit oder Achtlosigkeit, sondern auch alle Eigenarten oder Überspanntheiten, selbst die scheinbar frommer Gesinnung, zu beseitigen. Die Rubriken halten des Zelebranten Bewegungen, Blicke und seine Stimme innerhalb enger Grenzen. Regeln, die, eine geistliche Disziplin darstellend, die Heiligung des Priesters fördern

J.B. O’Connell The celebration of mass

Meine spezielle Sorge, Aufmerksamkeit, sowie regelmäßige Wutausbrüche gelten ja seit jeher in der Hauptsache jenen  Quereinsteigern,  die eigentlich und hauptsächlich in der Neuen Messe zuhause sind. Die also jedwede Freiheit bei der Zelebration gewohnt sind. Und deren rituelle (Selbst-)Disziplinierung eine nicht geringe Herausforderung darzustellen scheint. Darüber hinaus ist es eine ziemlich neue und neue Dinge erfordern manchmal neue Methoden.

Die Zelebration der alten Messe wird sicherlich in den meisten dieser Fälle nebenbei und in vergleichsweise kurzer Zeit erlernt werden.

Dass dabei zunächst mal eine gewisse Priorisierung stattfindet, bei der die Körperhaltung und Ausführung der verschiedenen Gesten eher hintere Positionen belegt, ist durchaus verständlich. Mir ist durchaus bewusst, dass es sehr viel zu lernen gibt, ungeheuer wichtiges und substanzielles und dass das gerade anfangs sämtliche Konzentration erfordert.

Dennoch halte ich es aber für grundverkehrt, Anweisungen die Äußerlichkeiten betreffen, deshalb als eher zweitrangig zu betrachten, ihre Beachtung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben oder ihn, im schlimmsten Fall, gar gänzlich als vernachlässigbar abzutun.

Gerade diese Vorschriften sind es ja, die durch die Reglementierung der äußeren Haltung einen großen Beitrag zur inneren Haltung leisten können. Sie zwingen in den Ritus, in die Opferhandlung. Daneben unterstützen sie Fokussierung und Konzentration Wie die äußeren Strebebögen einer gotischen Kathedrale, die den Seitenschub auffangen und damit das Gebäude davor bewahren auseinanderzufallen und gleichzeitig zu einer charakteristischen äußeren Erscheinung beitragen.

Der Ritus Servandus in Celebratione Missae schreibt beispielsweise den Gang zum Altar vor mit gesenktem Blick und würdevollem, aufrechtem Gang.

 „Procedit autem oculis demissis, incessu gravi, erecto corpore“ .

Zugegebenermaßen erscheint dieser Satz weder besonders spektakulär noch allzu gewichtig. Aber sowohl der gesenkte Blick als auch der Gang, der sich, würdevoll, wie er sein soll vielleicht von der Art, wie man sich privat fortzubewegen pflegt, unterscheidet, tragen gleichermaßen zu einer gewissen Entpersonalisierung und Entweltlichung bei.

Die Vorschrift, nur das Ausbreiten der Hände betreffend, ist derart detailliert beschrieben, dass sie nicht den geringsten Raum für persönliche Nuancen lässt. Überhaupt lässt sie sehr wenig Raum, denn hieraus geht unmissverständlich hervor, dass diese Bewegung (gleiches gilt ganz ähnlich für alle anderen Gesten) eine sehr kleine, unauffällige zu sein hat, deren etwas „gezwängte“ Anmutung durchaus beabsichtig scheint.

Die Hände sollen so ausgebreitet werden, dass die Handflächen einander zugekehrt und  die Finger zusammen sind, die Fingerspitzen sollen nicht über die Höhe der Schultern reichen und deren Breite nicht überschreiten.

“tum extendit manus ante pectus, ita ut palma unius manus respiciat alteram, et digitis simul junctis, quorum summitas humerorum altitudinem distantiamque non excedat.”

(dass das im Missale von 1962 nicht mehr in jener Genauigkeit vorgeschrieben wird, ist ein beklagenswerter Zustand, auf den ich jetzt aber nicht weiter eingehen werde. Da es sich aber um keine Änderung, sondern nur eine „Lockerung“ handelt, kann man wohl bedenkenlos zu Beachtung der älteren Vorschrift raten. )

Praktisch alle Autoren weisen übrigens hinsichtlich der verschiedenen Bewegungsabläufe der Hände immer wieder darauf hin, dass hierbei die Ellenbogen leicht am Körper anliegen sollen. Da ja nicht von einer Bewegung der Arme, sondern nur der Hände die Rede ist, sollte sich das eigentlich von selbst verstehen, doch scheint man nicht oft genug darauf hinweisen zu können.

Es wird durch diese beiden Beispiele vielleicht ansatzweise deutlich, dass jene Vorschriften, deren Missachtung im einzelnen vielleicht keine übergroße moralische Verfehlung darstellt, deren genaue Ausführung, Verinnerlichung, Einübung aber wahrscheinlich vor größeren Fehlern bewahren kann.

In vollem Bewusstsein, ein weiteres Mal eine ungeheure Anmaßung begangen zu haben, gleichzeitig mit der Gewissheit, dass darüber gesprochen werden muss, vor allem aber – das muss auch mal sein- mit der größten Wertschätzung für jeden einzelnen, der die ungeheure Mühe auf sich nimmt und genommen hat, das Zelebrieren der alten Messe zu erlernen und nicht zuletzt in der Hoffnung, dass es alle anderen irgendwann auch müssen.

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