Graviter et decore

Diese und jene Gedanken zur Inzensation des Altares

 

Das Rauchfass soll bei seiner Rückbewegung hörbar an die Ketten anschlagen
W.Lurz „Ritus und Rubriken der heiligen Messe“

Da ich heute wenig zu tun aber wie immer viel zu sagen hatte, übte ich mich mal in einer kleinen, unvollkommenen, aber hoffentlich nicht gänzlich fehlerbehafteten Beschreibung der Altarinzensation

Nicht, dass ich hier wirklich oft richtig Fehlerhaftes zu sehen bekäme. Aber so richtig schön ist es leider auch meistens nicht. Warum das so ist, nicht falsch, aber auch nicht schön, habe ich natürlich im Detail erörtert und wie immer jede Menge Meinung dazu.

altar

Die Inzensation des Altares an sich (ohne Inzens einlegen vorher und Inzensation des Zelebranten danach) besteht im Grunde aus 8 (bzw. 9) Teilen oder Abschnitten, die natürlich fließend ineinander übergehen.

  1. So das Allerheiligste im Tabernakel zugegen ist, beginnt man mit Genuflex in der Altarmitte. Es folgt die Inzensation des Kreuzes mit drei Doppelzügen (123). Danach erneut Genuflexion.
  2. Der Zelebrant wendet sich nun in Richtung Epistelseite, dabei aber dennoch leicht dem Altar zugewandt und inzensiert im Gehen mit 3 Einzelzügen  (4-5-6) den hinteren Bereich der Altarmensa (nicht einen  eventueller Altaraufbau!). Hierbei ist darauf zu achten, mit dem Fuß, der dem Altar am nächsten ist, in diesem Fall der linke, voranzugehen.

Es scheint mir hier sehr viele Möglichkeiten zu geben, die Aktion ein wenig komisch oder zumindest unkoordiniert wirken zu lassen. Deshalb kommt es m.E. hier zu allererst darauf an, die Aktion mit Ruhe anzugehen. Wenngleich man selbstverständlich jegliche Verzögerung vermeiden sollte, bin ich hier der Meinung, dass es hierbei nicht schadet, sich ein kleines bisschen zu langsam dabei vorzukommen, da die kombinierten Arm-und Gehbewegungen, nicht zu unterschätzen auch ein nicht immer ganz leicht zu kontrollierendes schwingendes Rauchfass,   hierbei schon von sich aus eine gewisse Unruhe mit sich bringen. Ich möchte an dieser Stelle keinesfalls versäumen auf das, im Ceremoniale Episcoporum beschriebene „graviter et decore“ hinzuweisen. Nie ist aufrechte, gespannte und würdige Körperhaltung wichtiger, als bei der Altarinzensation! Es darf sich nur der Arm, keinesfalls der Rest des Oberkörpers mitbewegen, wenn man nicht beabsichtig ein wenig taubenhaft zu wirken.

„Zu jedem Schritt der ausgeführt wird, soll eine Armbewegung erfolgen.“ (totque omnino passus faciat, quot thuribuli tractus, ut manus pedesque in motu decenter concordant, so das Ceremoniale Episcoporum) Hierbei ist tatsächlich ein kleines bisschen Finger- (und Fußspitzengefühl) gefragt, da das Ganze durchaus zum einen von der Größe des Altars, zum anderen der des Zelebranten, bzw. dessen Schrittlänge abhängt und sowohl „Trippelschrittchen“ als auch zu ausladende Schritte sind doch möglichst zu vermeiden. Hierbei kann eine weitere Anweisung des CE hilfreich sein, die eine deutliche Pause zwischen den einzelnen Zügen verlangt, competenti mora reducat thuribulum. Das gewährleistet ein relativ natürliches Metrum und verhindert, meines Erachtens das, was gelegentlich auf den Beobachter und möglicherweise auf den Ausführenden selbst, ein wenig wie Stolpern wirkt.

  1. In würdiger Haltung und ohne zu Stolpern an der epistelseitigen Altarecke angekommen, ist hier nun die Seite mit zwei einfachen Zügen, indem der rechte Arm etwas gesenkt wird, mit dem ersten Zug den unteren Teil (7), mit dem zweiten den darüberliegende (8) Teil der Altarseite inzensiert wird.

Um auch hier wieder jeden Eindruck von Hektik und Eile zu vermeiden, halte ich es für angebracht die Inzensation der Altarseite(n) nicht noch im Gehen oder schon im Umwenden vorzunehmen, sondern sich erst ganz zum Altar hinzuwenden, daraufhin die Bewegung (7-8) auszuführen und sich danach Richtung Altarmitte zu wenden. Selbstverständlich sollen (generell) die Bewegungen fließend sein und nicht stockend, aber die Zeit eine Aktion deutlich nach der anderen auszuführen ist durchaus vorhanden.

  1. Nachdem man sich nun ganz in Richtung Altarmitte umgewendet hat, wird mit den Zügen 9-10-11 der vordere Teil der Altarmensa inzensiert. Auf die gleiche Weise wie bei 4-5-6, auch hier mit dem altarnächsten Fuß zuerst (in diesem Fall wäre es der rechte). In der Altarmitte, angekommen, wendet man sich ganz zum Altarkreuz hin und genuflektiert, wie zu Beginn.
  1. Nun widmet man sich bei 12-13-14 dem hinteren Teil der evangelienseitigen Altarhälfte, in der gleichen Art wie zuvor.
  1. Gleiches gilt für die seitliche Inzensation der Evangelienseite (15-16).
  1. Für die Züge 17-18-19 wendet man sich leicht richtung Altarmitte, bleibt jedoch an der evangelienseitigen Altarecke stehen und inzensiert von dort aus den vorderen Teil dieser Hälfte der Altarmensa. Hierbei ist ganz besonders darauf zu achten, gerade stehenzubleiben und nur den Arm, nicht den Oberkörper in Richtung der auszuführenden Züge zu bewegen!
  1. Zum Schluss ist mit 20-21-22 und nach Genuflex in der Mitte 23-24-25 die Vorderseite zu inzensieren. Hierzu ist der rechte Arm wie schon bei den Seiten, etwas tiefer zu halten. Besonders bei den letzten drei Zügen sollte man sich ggf. nochmal zur Gewissenhaftigkeit anhalten um auch diese mit der gleichen Sorgfalt zu Ende führen und nicht in plötzliche Eile zu verfallen.

Der Vollständigkeit halber, auch wenn ich selbst hierzu nichts weiter beizutragen habe:

  1. Sollten sich Reliquien und/oder Bilder auf dem Altar befinden, werden diese direkt nach dem Kreuz, also noch vor (4-5-6) mit jeweils zwei Doppelzügen auf Evangelienseite und Epistelseite,

Alle Züge sollen alle in Richtung der Pfeile gerade ausgeführt werden. Lurz verweist hier auf eine Anweisung im CE (thuribulum ducit reducitque, quasi vor und zurückführen) Allerdings schreibt er auch von der „Gewohnheit mancher Diözesen (vorallem in Frankreich) sie in Zirkelform zu ziehen, die auch nicht zu verwerfen ist.“ 
Auf einigen schematischen Zeichnungen zur Altarinzensation ist diese Weise wohl auch durch die Form der Pfeile angedeutet. Ich selbst habe dies noch nie in schöner Ausführung gesehen, bin aber sicher, dass das durchaus möglich ist.
Meiner bescheidenen und wirklich völlig unmaßgeblichen Meinung nach, wirken kreisförmige Bewegungen sehr leicht sehr (nach)lässig, weshalb ich, ganz autoritär, doch eher zu geraden Zügen rate.

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3 Gedanken zu “Graviter et decore

    1. Och, was heißt vergessen… ich dachte tatsächlich kurz auch daran, aber dazu hätte ich nichts weiter zu bemerken gehabt … Wenn ich dann mal ein Buch schreibe, kommt auch das mit rein. 😉

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