Nur gucken, nicht anfassen

über die Sache mit dem Kelch

 

Mal ganz allgemein

Mittlerweile bin ich wohl nicht mehr nur in der virtuellen Blog-Welt, sondern auch schon im echten Leben als begeisterte Kritikerin bekannt. Das ist mir manchmal ein bisschen unangenehm, nicht zuletzt deshalb, weil ich ja nicht alles immer blöd und falsch und schlecht finde. Ganz im Gegenteil. Manchmal ist es auch einfach unterirdisch, unerträglich und zum davonlaufen 😉

Nur, so richtig spannend ist das einfach nicht, wenngleich ich mich sogar schon hier schriftlich meiner Freude Ausdruck verliehen habe! (hic)
Doch alles in allem geben Vorkommnisse, die zumindest Fragen aufwerfen und diskutiert werden müssen, einfach mehr her. Eben weil sie Anlass geben, sich mit einer bestimmten Thematik im Detail auseinanderzusetzen. Das gilt für kritische Blogbeiträge ebenso, wie im persönlichen Gespräch. Hier wie da geht es mir gar nicht (ausschließlich) darum jemandem aufzuzeigen was er alles falsch macht, ich rede nur einfach irre gerne über Liturgie und Rubriken und das macht nun mal am meisten Spaß (und Sinn) wenn man einer gewissen Spitzfindigkeit nicht abgeneigt ist.

Man wird mir hoffentlich zustimmen, dass ein Gespräch über die überdurchschnittlich korrekt ausgeführte Bewegung der Arme zwar sicherlich sehr schön ist (doch, das möchte ich auch gerne unbedingt mal führen!), aber weniger zu weiterführenden Erkenntnissen  beiträgt, als zum Beispiel die ausführliche Erörterung der Frage

Wer darf wann und unter welchen Umständen den Kelch anfassen?

Es gibt hier und da Zelebranten, die darauf bestehen, dass der Kelch bis zum Offertorium auf der Kredenz zu verbleiben hat. Was an und für sich ja schön* ist, aber leider auch sinnlos, wenn dieser dort, sofern man sich korrekt verhält, bis in alle Ewigkeiten stehen muss. Nämlich in jenem Fall, in dem der Zeremoniar, der den Kelch zum Altar bringen soll, kein Kleriker sondern Laie ist.

Im gesungenen Amt ohne Leviten (Missa Cantata) ist es unter der Voraussetzung erlaubt, dass der Zeremoniar den Kelch während der Messe (zum Offertorium) an den Altar bringt, , sofern dieser Kleriker ist.  Ist der Zeremoniar hingegen Laie, muss der Kelch schon vor der Messe auf den Altar gestellt werden.

Das ist insofern interessant, als der Eintritt in den Klerikerstand früher schon als Seminarist erfolgte, durch Erhalt der Tonsur. Heute, nach neuem Kirchenrecht, allerdings erst sehr viel später, durch die Weihe zum Diakon. Und dies gilt rechtlich ausnahmslos auch für alle Gemeinschaften, die Tonsur, niedere und Subdiakonatsweihe praktizieren.

Bedeutet also zunächst mal, dass der Zeremoniar, der den Kelch zum Offertorium an den Altar bringen soll, eigentlich mindestens Diakon sein müsste. Da allerdings Subdiakone trotz aktueller Einstufung als Nicht-Kleriker besondere, ihrer Weihestufe entsprechende Befugnisse besitzen, sie nämlich den Kelch in der Messe bedienen dürfen,  kann man wohl sagen, dass der Subdiakon in der Liturgie einen gewissen, nicht „rechtlich begründeten“ Status besitzt** Denn ein solcher hätte auch in diesem Fall die selben Befugnisse, wie er sie auch im levitierten Hochamt ausübt. (In der Praxis allerdings dürfte dies wohl heute aber nicht allzu häufig vorkommen.)

Direkt damit verbunden ist demnach die Frage nach dem „Ersatz-Subdiakon“, für den Fall, dass kein dritter Priester, Diakon oder eben Subdiakon zugegen sind.

Unter „besonderen Umständen“ gestattet Dekret 4181 der Ritenkongregation, dass anstelle eines echten (geweihten) Subdiakons, ein Kleriker mit niederen Weihen, mindestens jedoch der Tonsur, dessen Platz einnimmt, mit einigen Einschränkungen.
Eine Entscheidung der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei vom 7.6.93 (laut Fortescue/O’Connel/Reid***) erlaubt heute diesen Dienst eines Ersatz-Subdiakons sogar einem „beauftragten Akolyten“.  (Bzw. „vom Bischof beauftragter Akolyt“. wie hier in einem Schreiben späteren Datums noch mal zu lesen). Somit ist auf jeden Fall  für einen normalen (nicht beauftragten) Laien die Übernahme dieses Dienstes ausgeschlossen.  Seminaristen diözesaner Seminare ist dies, analog zu den Klerikern mit niederen Weihen gleichfalls gestattet. (hier nachzulesen)

Aufgrund der engen Verwandtschaft zur ursprünglichen Fragestellung, könnte man nun vermuten, dass eine solche Beauftragung auch auf die Befugnisse eines Laien-Zeremoniars, bzw. das Versehen dieses Dienstes durch einen Seminaristen in der Missa Cantata, bezüglich des Kelches anwendbar wäre. Hierzu fehlen mir allerdings konkrete Informationen. Im „neuen Fortescue“*** ist an der betreffenden Stelle kein Hinweis darauf zu finden. Einerseits handelt es sich zwar im Grunde um den Selben Sachverhalt, andererseits ist womöglich die Notwendigkeit einer solchen Assistenz bei einer Missa Cantata weniger gravierend als ein fehlender Subdiakon im Levitenamt. (Einen berechtigten Einwand zu dieser Auslegung vernahm ich allerdings schon mit der Frage, ob es denn eine Notwendigkeit für ein levitiertes Hochamt gäbe.)

Sicher ist aber in jedem Fall, dass es für einen Laien als Zeremoniar verboten ist, den Kelch während der Messe von der Kredenz auf den Altar zu bringen, noch selbstverständlich anderweitig anzufassen.

Sollte jemand genauere,  anderslautende oder weiterführende Informationen oder Einwände haben, immer her damit bitte!


* Ich sollte dringend mal einen Beitrag darüber schreiben, wie nervig es ist, was immer so „schön“ gefunden wird…
**  der, obwohl kein Kleriker, Befugnisse besitzt, die nur mit – durchaus nicht unerheblichen- Einschränkungen auf einen eigens beauftragten Laien übertragen werden können. Möglicherweise ist es, außer der kirchenrechtlichen Einordnung, hierbei einem gewisser Novus Ordo-Blickwinkel geschuldet, wenn der eine oder andere dem Subdiakonat jene besondere Stellung abspricht.
*** “The Ceremonies of the Roman Rite Described“  – A.Fortescue/J.B. O’Connell / A. Reid, 15.Auflage,  2009

 

 

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