Das Leben des Teufels

Die Sünde raubt uns die heiligmachende Gnade. Und welch ein Verlust ist nicht auch dieses. Denn die heiligmachende Gnade ist eine Wirkung des heil. Geistes, wodurch wir vom Bösen abgehalten und zum Guten angetrieben werden; sie ist ein Licht, das die Finsterniß unsers Verstandes erleuchtet; sie ist ein Feuer, welches die Eisdecke unsers Herzens schmilzt und es mit der Gluth der göttlichen Liebe erwärmt. Die heiligmachende Gnade ist unserer Seele dasjenige, was den Reben des Weinstockes der Saft ist, den ihnen der Stamm mittheilt ; durch sie lebt unsere Seele in Jesus Christus. Vermöge der heiligmachenden Gnade sind wir lebendige Glieder Jesu Christi; durch sie machen wir nur Eines mit ihm aus, gleichwie die Rebe nur Eines mit dem Weinstocke ist. Aber eine einzige Todsünde reißt uns aus diesem seligen Verbande. Und der schrecklichen Aenderung! wie wir zuvor das Leben Jesu lebten, so leben wir jetzt das Leben des Teufels; wie wir zuvor Eines mit Jesu Christo ausmachten, so machen wir jetzt Eines mit dem Teufel aus; wie wir im Stand der Gnade so zu sagen ein anderer Jesus Christus waren, so sind wir durch die Sünde zu einer Art von Teufel geworden. Sollen wir über diesen traurigen Wechsel nicht blutige Thränen der Reue weinen?

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen, München 1845

 

 

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