Asperges um Mitternacht

Ich beklagte es bereits, ich beklage es wieder und des Klagens Ende ist nicht in Sicht:

die-theologen
„Die liturgische Behandlung des Allerheiligsten außer dem Opfer der heiligen Messe“ W.A. Maier; Regensburg 1860

Novus Ordo, Alte Messe… .Zwei Formen desselben Ritus, so heißt es immer. Nun, wie dem auch sei, letztlich sind ja auch Chickennuggets eine Form von Fleisch.

Wie immer man nun zu dieser Frage stehen mag – ich möchte an dieser Stelle darauf verzichten die Vorzüge eines Schnitzels gegenüber einem (laut Wikipedia) „Fleischprodukt, das aus kleineren Fleischstücken – meist Schwein oder Geflügel – zusammengesetzt wird“ auseinanderzusetzen.

Leugnen wird allerdings sicherlich niemand die deutlichen Unterschiede. Die sichtbaren und die unsichtbaren. Natürlich will ich einmal mehr hinaus auf den Umgang mit den Rubriken.

Der Novus Ordo bietet Möglichkeiten relativ freier Gestaltung der Liturgie mit sogar offiziell zur Verfügung gestellten Auswahlmöglichkeiten, was der Überbewertung des Stellenwertes seines eigenen –subjektiven-  liturgischen Ästhetikempfindens einen Nährboden bietet und die übersteigerte Wahrnehmung der eigenen Maßgeblichkeit eigentlich überhaupt erst begünstigt. Man muss hier gar nicht erst auf die ganz großen „liturgischen“ Entgleisungen mit Spiel und Tanz und Entertainment, aufwändig inszeniertem Anthropozentrismus verweisen, die in Wahrheit nicht einfach nur übertriebene Ausbrüche einiger Weniger sind, sondern nur eine besonders ausgeprägte und überhöhte Form dessen, was in der neuen Messe als solcher veranlagt ist. *

So frage ich mich gelegentlich tatsächlich, wie man eigentlich etwas wie den, zwar auch im NO verbotenen aber durchaus gelegentlich zur Aufführung gebrachten, „liturgischen Tanz“ bis aufs Blut verabscheuen und nach einer „gut performten zelebrierten“ neuen Messe sich sehnen kann. Die Zelebration eines Ritus oder eine Form, der für die eigentliche Ausführung wenig vorgibt und viel Freiraum lässt, kann eigentlich gar nie „gut“ oder richtig, vernünftig sein. Weil es dafür ja garkeinen Maßstab gibt. Und jenes „gut und vernünftig“ immer im subjektiven Empfinden jedes einzelnen liegt.

Liturgie kann aber nicht subjektiver Ausdruck sein, weil Liturgie immer die Liturgie der gesamten Kirche ist. **

Das heißt,  es ist Unsinn, wenn Gemeinde XY die Intention hat, mit der gesamten Kirche zu steppen, solange nur sie alleine steppt. Umso mehr ist es Unsinn eines Einzelnen, subjektives, persönliches, ganz privates Empfinden mit der sachlich und fachlich wohldurchdachten Begründung „Ich finde es schön!“ respektive „Ich finde es blöd!“ zu Ge-oder Verbot zu erklären. (Es sei denn man ist ein 4 Jahre altes Kind, das seine Geburtstagsgäste mit der diktatorischen Ansage  „Ich bin der Bestimmer“ in die Schranken weist.)

Richtig problematisch wird es dann aber, wenn, von mir schon häufiger erwähnte „birituelle Sonntagszelebranten“ (also jene Priester, die nur gelegentlich, zusätzlich zum Novus Ordo auch die alte Messe feiern), von jenem Geist beseelt, sich anschicken, im überlieferten Ritus zu zelebrieren.

Das funktioniert nicht.

Und wenn es 100-mal derselbe Ritus sein sollte. Es gelten andere Rahmenbedingungen. Zur alten Messe gehört eine nicht unbeträchtliche Anzahl von zwingend verpflichtenden Rubriken, wohingegen der Spielraum, nach eigenem Gusto zu entscheiden, ziemlich gering ist. Ebenso verhält es sich bei der alten Messe anders als etwa beim Monopoly-Spiel. Hausregeln sind nicht vorgesehen.

Und schon  durch die Missachtung eines einzelnen Punktes der Instruktion „Universae Ecclesiae“  kann aus der Zelebration der alten Messe ein seichtes Historienspiel werden.

Die liturgischen Bücher der forma extraordinaria sind nach ihren eigenen Vorschriften zu gebrauchen. Alle, die nach der forma extraordinaria des römischen Ritus zelebrieren wollen, müssen die entsprechenden Rubriken kennen und sind dazu verpflichtet, diese bei den gottesdienstlichen Feiern genau zu beachten.“ ***

Und so ist es ziemlich egal, ob das jemand gut findet oder nicht, ob ihm eigentlich dieses oder jenes besser gefiele, das eine oder das andere schöner wäre. Es ist vollkommen irrelevant, was ein Einzelner meint. Entweder alte Messe oder nicht. Und wenn alte Messe, dann Rubriken. Und zwar alle. Isso.

Und wenn man es schon nicht aus tiefster Einsicht und Überzeugung tut, so doch vielleicht wenigstens, um den Willen der Kirche zu erfüllen. Bitte!


* Es ist hier auch vollkommen gleichgültig, wie die Liturgiereform „eigentlich“ gemeint und gedacht war, aufgehalten hat die Entwicklung jedenfalls niemand.
** „Christliche Liturgie ist niemals die Veranstaltung einer bestimmten Gruppe, eines bestimmten Kreises oder auch einer bestimmten Ortskirche. […] Er will die Menschheit vereinen und die eine Kirche, die eine Kirche, die eine Gottesversammlung aller Menschen erwirken.“  Joseph Ratzinger „Der Geist der LIturgie “ 
*** Instruktion   Universe Ecclesiae  der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei über die Ausführung des als Motu proprio erlassenen Apostolischen Schreibens Summorum Pontificum;   Nr. 24

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3 Gedanken zu “Asperges um Mitternacht

  1. Zwei Formen eines Ritus. Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein es fehlt der Glaube. Eher zwei Riten, wenn überhaupt. Mittlerweile schält sich immer mehr heraus, dass es sich um 2 Religionen handeln könnte: EIne anthropozentrisch, die andere theozentrisch.

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    1. Da gebe ich Ihnen ja Recht… Aber diejenigen, die mit der größten Vehemenz den einen Ritus betonen, sind meistens auch die, die am häufigsten über die, plötzlich doch so unüberwindbaren, Unterschiede stolpern…. 😉

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  2. „sich aller jener liturgischen Anordnungen zu entschlagen oder sie zu ändern…“
    Kirchgänger und Messbesucher, die im Alten Ritus zu Hause sind spüren und erkennen sofort, welch Geistes Kind der Zelebrant ist. Benedikt XVI. hat es wirklich gut gemeint. Aber wir wissen ja: „gut gemeint ist…“. Manchmal zweifle ich auch und frage mich, ob es nicht besser wäre, wenn es solche Priester nicht gäbe, die beide „Formen des gleichen Ritus“ zelebrieren. Denn seltenst ist alles richtig und gut, was da passiert und angeblich die richtige Form ist. Selbst eifrige und „gutmeinende“ Priester „vermichen“ da einiges oder sie ändern sogar bewußt ab, um es angeblich einfacher, schöner, verständlicher oder sonstwas zu machen. Dennoch – ohne jene Priester, die sowohl den trid. Ritus als auch den NOM zelebrieren, hätten jene Gläubige, die den trid. Ritus suchen, lieben und einzig ihn haben möchten, kaum Chancen darauf. Auch mir schaudert fast jeden Montagabend, was da wohl wieder passieren wird… – gerade in einer Messe, der jedes Spektakuläre fremd ist.

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