Sub gravi, or not…

…die Rubriken sind deine Freunde.

 

Wenn er am Altar stehend, Christus repräsentiert, sollte er alle individuellen Eigentümlichkeiten, selbst die kleinste Übertreibung, alles was die Aufmerksam auf seine Person zieht und von der erhabenen Handlung die er ausführt, ablenkt, ablegen.
Dabei helfen jene Rubriken, die die Handhaltung des Zelebranten, die Bewegungen seiner Augen und die verschiedenen liturgischen Gesten betreffen, nicht nur Anmutungen von Unehrerbietigkeit, Gleichgültigkeit oder Achtlosigkeit, sondern auch alle Eigenarten oder Überspanntheiten, selbst die scheinbar frommer Gesinnung, zu beseitigen. Die Rubriken halten des Zelebranten Bewegungen, Blicke und seine Stimme innerhalb enger Grenzen. Regeln, die, eine geistliche Disziplin darstellend, die Heiligung des Priesters fördern

J.B. O’Connell The celebration of mass

Meine spezielle Sorge, Aufmerksamkeit, sowie regelmäßige Wutausbrüche gelten ja seit jeher in der Hauptsache jenen  Quereinsteigern,  die eigentlich und hauptsächlich in der Neuen Messe zuhause sind. Die also jedwede Freiheit bei der Zelebration gewohnt sind. Und deren rituelle (Selbst-)Disziplinierung eine nicht geringe Herausforderung darzustellen scheint. Darüber hinaus ist es eine ziemlich neue und neue Dinge erfordern manchmal neue Methoden.

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Tausche Schott gegen Liedermappe

Eine große Gnade wurde mir zuteil, nachdem ich neulich..träumte…mit den Ministranten im Altarraum zu stehen,  und ich gelangte ganz plötzlich zu einer Einsicht. Eine Einsicht, die mir den Schleier von Kopf du Herz nahm…

Ich bin eine mündige Katholikin und gleichberechtigte Frau. Und nicht länger gewillt hinzunehmen in der Messe nichts weiter tun zu dürfen, als brav an meinem Platz zu sitzen/knien/stehen und zuzuschauen, wie an einem fernen Altar der Priester irgendetwas tut, was augenscheinlich nichts mit mir zu tun hat, was mich überhaupt nicht braucht und offensichtlich sogar bewußt ausschließen soll.

Die Zeiten für solcher Art Hierarchien sind doch ein für alle Mal vorbei! Und ich möchte mich endlich, endlich aktiv in die Gestaltung der Liturgie einbringen!!!!

Da ich überdies sehr befürworte, dass Priester heiraten dürfen, halte ich es für nicht zielführend, wenn dieser sich nicht den Gläubigen zuwendet, und wenn er es tut, nicht hin schaut. Wie soll man denn so wissen, ob er hübsch ist und flirten ist auch nicht möglich…

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Aaach… das glaubt mir doch sowieso kein Mensch… aber gut zu wissen, dass ich nicht mal am 1. April richtig lügen kann….. 😉

Förderungsmittel der Frömmigkeit

Manchmal ist es genau so

Die Rubriken sind die heilige Bestimmung zur Verherrlichung des großen Mysteriums, worauf sie sich beziehen; sie schreiben die Gebräuche und die Ceremonien vor, welche dabey zu  beobachten sind, und das Concilium von Trient nennt sie Bilder des Glaubens, Förderungsmittel der Frömmigkeit, Merkzeichen der Religion. Ein Priester wird daher mit Ehrerbietung ihrer achten, sie lieben, treulich befolgen, vor Nichtbeachtung derselben sich hüten und wissen, daß Uebersehen des einen oder andern eine läßliche, absichtliches Unterlassen mehrerer in einer und derselben Messe eine tödtliche Sünde ist.

Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

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Ehrfurcht, heilige Scheu und Liebe

Weil es einfach nicht aufhört zu schmerzen

Denn überhaupt soll diese heilige Handlung stets mit Andacht, Frömmigkeit und lebendigem Glauben zuerst in dem Herzen begonnen werden.
Man muß von dem Priester sagen können, was der heilige Paulus in dem Brief an die Hebräer von Moses sagt: „ Er hielt sich an den, den er nicht sah, als suche er ihn.“ Sein Glaube muß ihm, den unter den eucharistischen Stoffen verborgenen Gott zeigen, und dieses jene heilige Scheu in ihm wecken, von der in Gegenwart des dreimal heiligen Gottes eine Seele durchdrungen seyn und in jener Liebe brennen soll, welche dieselbe vor dem Angesicht desjenigen aufzehrt, der Tag täglich die staunenswerthesten Wunder verrichtet, um mit ihr sich zu einigen.

Fühlt sich ein Priester durch diesen Glauben belebt, so wird auch sein Äusseres das Gepräge der Ehrfurcht, der heiligen Scheu , der Liebe an sich tragen, und in ernstem Auftreten, in demüthiger und bescheidener Haltung in andachtsvollem Blick, in einfachem aber frommem und salbungsvollem Ton bey den Gebeten wird die innere Stimmung sich bemerklich machen, die Umstehenden ergreifen, den Glauben in ihnen anfachen, die tiefste Ehrfurcht für das heiligste Mysterium in ihnen wecken, den lebendigsten Eindruck auf sie bewirken und die Gefühle, von denen der Celebrirende durchdrungen ist, auch in ihnen hervorrufen.

Deßwegen ist der Anblick eines Priesters, der fromm, andächtig, glaubensfreudig die heilige Messe liest, oftmals eine herzbewegendere, überzeugendere, wirksamere Predigt, als die bestgesetzte Rede..

Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

 

Glücklich mit Rubriken

Weil sein muss, was sein muss

Über Musikkritiker sagt man ja gerne, sie seien verhinderte Musiker, die ihren Frust über ihr fehlendes Talent durch das Bewerten derer, die es geschafft haben, abbauen. Ich selbst wäre eigentlich gerne Opernsängerin geworden. Hat nicht geklappt. Ja, selbst zum Opernkritiker hat´s nicht gereicht. (nicht, dass ich es je versucht hätte…) Stattdessen sitze ich nun Sonn-und gelegentlich Werktäglich in der Kirche, gelb vor Neid, dass ich ein Mädchen bin und warte auf Fehler, über die ich mich dann auslassen kann. Ganz schön erbärmlich.

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Weise Reformation…

Bedenkenswerter Gedanke

Man darf also kühn sagen: das erste und
höchste Gebot aller weisen Reformation in der Liturgie ist dies:
bilde du dem Volke zuerst erleuchtete, gottselige Priester.
Denn diese werden nicht nur alle liturgische Handlungen mit
Geist und Leben durchdringen, sie werden auch noch ein anderes,
großes Stück Vorarbeit thun, das vor aller weitern Reformation
gethan werden muß; sie werden das Volk mit Beispiel und
Wort, im Geiste und aus seinem Herzen beten lehren. Hat
aber das Volk einmal gelernt, im Geiste und aus dem Herzen
zu beten, so wird es die Grund- und Muttersprache, die Natursprache alles Gottesdienstes, in die Kirche mitbringen, und diese Natur-, Grund- und Muttersprache auch an dem lateinischen oder
griechischen Priester vernehmen und verstehen.

Dr. Jakob Fluck „Katholische Liturgik, Erster Theil.Der sakramentale Kultus“, Regensburg 1853

Hätte man ja mal versuchen können..

Total befriedigt

Auf nichts kann man sich verlassen, wirklich auf gar nichts.

So bin ich gerade zum einen immer noch völlig verblüfft und überrascht, zum anderen ausgesprochen glücklich, zufrieden und erbaut. Und das, wie ich gestehen muss, wirklich unverhofft. Mache ich mich doch gelegentlich schon mit so einer Ahnung auf den Weg zur Kirche, dass mich dort Übles erwartet,  all diese Dinge, die ich hier dann und wann schon zu beklagen hatte.  So auch am gestrigen Sonntag.

Und dann… passierte nichts. Nichts, was mein ästhetisches Empfinden gestört hätte. Sicherlich… das eine oder andere könnte man noch ein bisschen schöner und genauer und… aber nein, davon will ich heute mal nicht reden.

Wer viel schimpfen und kritisieren kann, der muss und will sich auch mal lobend äußern:

Es war ganz fantastisch!

Nun gehe ich nicht davon aus, dass meine hier niedergeschriebenen Wutausbrüche irgendetwas mit dieser schönen und erfreulichen Entwicklung zu tun haben, sicherlich ist es einfach ein wunderbarer Zufall.
Wie dem auch sei

Herzlichen Dank, es war mir eine Freude!

…das bleibt jetzt bitte immer so…

Grell

 (Un)ädifizierendes zum Wochenende

Die Majestät des Gottesdienstes hängt allerdings zumeist ab von der andächtigen, würde-und ehrfurchtsvollen Haltung des amtierenden Priesters, aber die liturgische Sprache trägt ihrerseits doch auch dazu bei, und eine fremde Sprache ist geeignet, die Mängel und das Unerbauliche beim Zelebrieren mancher Priester etwas zu verdecken und nicht so grell an den Tag treten zu lassen.

Nikolaus Gihr; “Das Heilige Messopfer dogmatisch, liturgisch und aszetisch erklärt”; 1922

Der moderne Priester heutzutage ist jedoch schon so weit fortgeschritten, dass er sich darauf versteht, den Mängel verhüllenden Schleier der „fremden Sprache“ zu lüften und durch einige Unkenntnis des Lateinischen jede Menge Unerbauliches äußerst grell an den Tag treten zu lassen.  😉

Vermeiden, ins Presbyterium zu rotzen

Im Grunde habe ich die Lösung, aber ich trau mich nicht, sie zu verraten.

Dann und wann pflege ich schlampige Zelebration zu beklagen. Wie ich immer noch finde, mit Recht. Nicht umsonst ist ein Priester angehalten „alles zu vermeiden, was das ästhetische Empfinden der Gläubigen verletzen könnte“, wie wörtlich „im Lurz“ und in ähnlichen Formulierungen in vielen anderen an Priester gerichteten Büchern und Büchlein nachzulesen ist.

Jetzt ist mein ästhetisches Empfinden so häufig verletzt, dass man es schon beinahe als chronisch bezeichnen könnte. Und das liegt weniger an, mit schöner Regelmäßigkeit vorkommenden, groben Schnitzern, sondern an jenem Sachverhalt, den ich durchaus für jene Fehler verantwortlich mache, der aber für sich genommen schon nicht ganz unproblematisch ist. Die Alte-Messe-Hobby-Zelebration. Ich sprach das Problem auch schon mal in einem früheren Beitrag an. Möchte das hier aber noch mal etwas genauer betrachten.

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Es wäre doch zu absurd…

…die Sprache der Liturgie, die lateinische, zugunsten der Landessprache aufzugeben.

Ist es doch mehr als augenfällig, was damit alles einhergehen würde! Sprachlicher  Schindluder,  ja, es könnte sogar der Eindruck entstehen, dass letzlich alles veränderbar sei, nicht nur die Sprache… am Ende gar die  ganze Lehre, der Glaube, die Welt! Nein… also, alleine der Gedanke ist mehr als lächerlich…. Sowas verrücktes würde niemand tun…

Ebenso ging es auch im Abendlande, wo auch von dem Entstehen der Kirche bis auf den heutigen Tag keine andere Sprache, als die lateinische, in der Liturgie gebraucht worden, so sehr sich auch die vielen abendländischen Völker in ihren Landessprachen von einander immer unterschieden haben, und noch unterscheiden. Aber warum behält denn die Kirche die lateinische Sprache noch immer bey, nachdem dieselbe doch schon lange aufgehört hat, die Sprache des Volkes zu seyn?  Sie thut dieses aus guten Gründen.  Einmahl ist es unstreitig, obwohl die Sprache zum Außerwesentlichen einer Lehre gehört, indem die Worte nur das Kleid der Gedanken sind, daß dennoch die Änderung der Sprache eine Änderung der Lehre wenigstens in ihrer Auslegung leicht veranlassen kann. Würde nun aber in jeder Provinz die gangbare Landessprache, wie bey uns die deutsche, statt der lateinischen in die Liturgie ganz aufgenommen, wie lange würde es wohl anstehen, daß die in einer solchen lebenden Sprache abgefaßten Gebethe, damit sie nach längerer Zeit verständlich blieben, nicht wenigstens in einzelnen Wörtern und Ausdrücken müßten geändert werden, da lebende Sprachen mit der Denkungsart und den Sitten der Menschen nach der vor- oder rückwärts schreitenden Bildung derselben, fortwährenden Änderungen unterliegen? Man betrachte nur unsere Muttersprache, wie sehr änderte sie sich binnen fünf Dezennien? und Bücher von hundert Jahren, wie schwer sind solche zu verstehen? Derley oftmahlige Veränderungen aber der einmal zur liturgischen Sprache angenommenen, wären sie nicht selbst der Religion gefährlich? Würden durch die vielen Änderungen der Worte und Ausdrücke die damit bezeichneten Glaubenslehren nicht mit der Zeit auch einen anderen, wenn nicht falschen, doch zweideutigen Sinn erhalten, der mancherley Irrthümer erzeugte, da doch die liturgischen Bücher immer Haupturkunden von der Tradition, von der durch alle Jahrhunderte sich immer gleichgebliebenen Lehre der Kirche waren?  Auch würde die Religion durch Verdrängung der alten liturgischen Sprache an ihrer Achtung bey dem größeren Haufen unvermeidlich verlieren. Das Volk würde jene selbst nicht mehr für unantastbar und unveränderlich halten, wenn diese verändert würde, die es ihres Alterthumes wegen für heilig, der Religion wesentlich, und eben darum auch für unabänderlich hält, weil es die Nebensache von der Hauptsache, das Außerwesentliche von dem Wesentlichen bestimmt zu unterscheiden nicht im Stande ist, was die Geschichte unserer Zeiten vielfältig beweiset.

Und doch… Wer nicht hören will…. und so…


 

zitierter Text aus: „Liturgik – zunächst für angehende, aber auch für wirkliche Priester“  A. Seelhammer, Wien 1838