Es ist ein wahrscheinliches Zeichen deiner Versöhnung mit Gott…

 …wenn du

  1. innere Ruhe der Seele besitzest, in jeder Lage zufrieden bist, und auch bei Widerwärtigkeiten den Gleichmut nicht verlierst. Diese Gnade pflegt Gott seinen Dienern zu geben. So wie der Sünder in Allem nur Geistesplage und Unruhe findet, so pflegt den Frommen stets der innere Friede zu begleiten. Und der Besitz dieses himmlischen Gutes ist ihm ein Unterpfand der Freundschaft mit Gott. :
  2. Wenn du die Sünde, welche du zuvor geliebt und gesucht hast, jetzt hassest und fliehest. Es ist ein Beweis deiner Freundschaft mit Gott, schreibt der heil. Basilius, wenn du in Wahrheit mit David ausrufen kannst: Ich hasse und verabscheue das Unrecht. Noch sicherer ist dieser Beweis, wenn du die Sünde nicht nur an dir selbst, sondern auch an Andern hassest, daher eifrig die Bekehrung Aller wünschest und auch dafür betest; wenn es dich schmerzt, sehen zu müssen, daß Gott täglich so oft und so schwer beleidiget wird; wenn es dir zur süßen Freude gereicht, jemanden von dem Wege der Sünde zurückgebracht zu haben.
  3. Wenn du die Gebote Gottes gewissenhaft hältst, täglich in der Tugend und Frömmigkeit zunimmst und ein inbrünstiges Verlangen nach himmlischen Dingen hast. Die Tugenden, sagt der heil. Gregorius, welche wir ausüben, sind der Beweis, daß der Geist Gottes in uns wohnet. Wenn der hl. Bernard fragt, wie der Mensch wissen könne, ob er Verzeihung erlangt habe, so antwortet er: Der Heiland sprach zum Gichtbrüchigen: „Steh, auf, nimm dein Bett und gehe.“ So ist es ein Beweis deiner Versöhnung mit Gott, wenn auch du aufstehest von der Erde und deinen Geist zu himmlischen Dingen emporrichtest; wenn du dein Bett nimmst und gehest, d. h. wenn du die vorigen Sünden verlassest und jetzt die Wege der Gerechtigkeit wandelst.— Findest du dich so beschaffen, dann zweifle nicht an deiner Versöhnung.

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen

 

Ein Sünder kommt zu einem andern…

Es gibt Viele, welche von einer gewissen Scham zurückgehalten werden, ihre Sünden dem Beichtvater zu bekennen. Aber was kann es Thörichteres geben? […]

Deine falsche Scham wäre noch einiger Massen zu entschuldigen, wenn du vor einem Engel deine Beicht ablegen müßtest; denn der Glanz seiner Herrlichkeit könnte dich zurückhalten, ihm deine verborgensten Laster zu entdecken; du könntest fürchten, dadurch seine reinen Ohren zu beleidigen, und ihn mit Unwillen gegen dich zu erfüllen. Aber sieh, derjenige, welchem du beichtest, ist selbst ein Sünder. Du hast gesündiget; er aber hat vielleicht noch Schwereres begangen. Was scheuest du dich, ihm das zu bekennen, was vielleicht seine eigene Sünde ist? Glaubst du, er wird dich mit bittern Worten zurückstossen? O nein, er wird um seiner selbst willen mit dir Geduld und Nachsicht haben. Er wird mit dir seine eigenen Sünden beweinen.[…] O bewunderungswürdige Liebe! ruft der hl. Thomas von Villanova aus, ein Sünder kommt zu einem andern, und dieser spricht ihn los und versöhnt ihn wieder mit dem Himmel. So leicht machte Gott dem Menschen das Werk der Versöhnung!

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen

Es handelte sich zwar nicht um einen Witz, aber ich finde, der kleine Abschnitt hat dennoch etwas ungemein Erheiterndes!

Früchte eines bösen Baumes

Die Sünde setzt unsere Seele zugleich in einen solchen Zustand, daß wir alle Kraft zu anderweitig guten Werken verlieren. Auch die scheinbar tugendhaftesten Handlungen, wenn sie im Stand einer Todsünde verrichtet werden, gelten für die Ewigkeit nichts. Denn sie sind Früchte von einem bösen Baume, dessen Wurzel vergiftet ist. Strecke also gleichwohl der Sünder seine Hände gegen den Himmel aus und bringe er viele Stunden des Tages im Gebete zu, so wird dennoch Gott kein Wohlgefallen daran haben; übe der Sünder gleich wohl alle Bußwerke der strengsten Einsiedler und verrichte er alle Werke der Gottseligkeit und der christlichen Liebe, so sind es dennoch, so lange er in der Sünde bleibt, fruchtlose Bemühungen für den Himmel, und Gott findet kein Wohlgefallen daran, weil ihnen das Leben der Gnade abgeht. Denn der Herr sagt selbst von den Werken der Sünder: Euer Rauchwerk ist mir ein Gräuel, und meine Seele hasset euere Festtage. Sieh, wie elend hat dich die Sünde gemacht, und wie sollst du in Thränen der Reue über deinen traurigen Zustand zerfließen!

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen

 

 

mein Alles

einmal mehr zur Beichte

Die Seele hat im Stand der Gnade Gott zu ihrem Vater, der sie liebt wie seine Tochter und in ihr wohnt wie in einem Tempel. Durch die Sünde aber verliert die Seele ihren Gott; aber seinen Gott verloren haben, welch ein Verlust? Verliere ich auch alle Schätze der Welt, besitze ich aber meinen Gott noch, so bin ich reich; besitze ich aber alle Reiche der Erde und verliere ich meinen Gott, so ist für mich Alles dahin; denn die Glückseligkeit der Heiligen im Himmel besteht darin, daß sie Gott besitzen, und das Unglück der Verdammten in der Hölle darin, daß sie Gott verloren haben.[…]
Bedenke es, o Mensch! die Sünde raubt dir den wahren Gott Himmels und der Erde, stößt dich aus der Zahl seiner Kinder, macht dich zur armseligen Waise, und du sollst dieses schreckliche Übel nicht bereuen? Der Verlust eines unbedeutenden Dinges, einer eitlen Ehre, eines hinfälligen Gutes, eines unverdienten Lobes kränkt dich oft tief. Untröstlich aber wirst du oft bei dem Verluste eines theuren Freundes, bei dem Tode einer werthen Person: und wie, wenn du dein Alles, deinen Gott verloren hast, kannst du gleichgiltig bleiben? Du sollst jene Raubmörderin, die Sünde, nicht bereuen? Die Sünde raubt uns die heiligmachende Gnade. Und welch ein Verlust ist nicht auch dieses.

Th.Wiser; Der Christ in der Buße oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen

 

Weiterlesen