Brennesseln und Brombeerhecken

Biologisch bedenkenlose Bußübungen… (oder so)

260701

Neulich inspirierte mich eine illegal in einem Blumenkübel auf meinem Balkon wachsende Brennessel zu einigen laut gedachten, und eigentlich nur scherzhaft gemeinten, Gedanken über Bußwerkzeuge aus der Natur. (Zu denen sicherlich ein Spaziergang durch eine Brennesselkolonie oder auch ein beherzter Sprung in eine Brombeerhecke gehören können…. aber ich möchte das hier jetzt nicht weiter ausführen oder gar empfehlen)

Ahnen hätte ich müssen, dass solcherlei Gedanken, zum weiten Feld der körperlichen Bußübungen gehörend, nicht innerhalb eines halben Jahres plötzlich auf große Begeisterung stoßen würden. (nicht einmal, im Spaß angesprochen)
Solange ist es etwa her, dass ich dazu schon mal geschrieben und im Vorfeld dazu anderer Leute Meinung gehört habe. Die sich also nun nicht wesentlich geändert hat. Man bleibt bei:

Das ist total krank!
Das hat man früher gemacht, aber heute braucht man das doch nicht mehr!
Das Leben hält doch genug Schwierigkeiten für uns bereit!

Weiterlesen

Advertisements

Wenn über deinem Haupte ein Schwert

nur ein bisschen Beicht-Werbung

 

Wenn über deinem Haupte ein Schwert schweben würde, das nur an einem schwachen Faden befestiget ist, das also jeden Augenblick herabfallen kann, und wenn es herabfällt, dir den schmerzlichsten Tod bereitet: würdest du noch eine vergnügte Stunde haben?

Nun wirst du aber bloß mit dem schwachen Faden des Lebens über den Abgrund der Hölle gehalten, in jeder Minute kann dieser Faden reißen, und dann sinkst du in den ewigen Feuerpfuhl hinab, aus welchem es keine Rettung mehr gibt. Und du wirst von dieser Gefahr nicht gerührt, lebst leichtsinnig dahin und verschiebst den Gebrauch des Rettungsmittels in die ungewisse Zukunft hinaus! IMG_0016~2

Wenn du leiblich erkrankest, wartest du vielleicht auch dann mit der ärztlichen Hilfe bis zum Augenblicke, wo jede Rettung unmöglich ist? In diesem Falle kann man dir nicht schnell genug die Hilfe bringen; die geringste Zögerung scheint dir bedenklich zu seyn.

Aber ist denn die Seele nicht mehr als der Leib? Ist es nicht unverständig, für die Erhaltung des zeitlichen Lebens so besorgt zu seyn, das ewige aber einem blinden Ohngefähr Preis zu geben?

Dr. Thomas Wiser, „Der Christ in der Buße, oder ausführliche Anleitung, eine würdige Beicht abzulegen“; München 1845

 

Trauern um Nachsicht

von Schwäche und Krankheit

Wenn heut zu Tage der Priester keine so strenge Buße mehr auflegt, als es in jenen frühern Zeiten der Fall war, so geschieht es nicht deßwegen, weil man zur Einsicht gekommen ist, daß man ehemals zu streng gewesen ist, oder weil etwa in unserer Zeit die Gerechtigkeit Gottes eine andere geworden ist, und sich mit einer geringeren Genugthuung begnügt, sondern deßwegen ist eine Milderung eingetreten, weil die Lauheit des Zeitalters die Einhaltung der ehemaligen Strenge unmöglich macht. Die Kirche wählt wie überall so auch hier das kleinere Uebel, um das größere zu vermeiden. Eine giltige Beicht befreit von der ewigen Verdammniß auch ohne Uebernahme der für gewisse Sünden vorgeschriebenen Bußwerke. Jemand, der sich dieser unterzöge, hätte Hoffnung, auch für seine zeitlichen Strafen der göttlichen Gerechtigkeit Genugthuung zu leisten, und den Qualen des Reinigungsortes zu entgehen. In der frühern Zeit hielt man den Büßer dazu an und bei dem allgemeinen Eifer, von welchem die Gläubigen beseelt waren, ließ sichs auch jeder gefallen, der die Aussöhnung mit Gott wahrhaft suchte. Diese Strenge der Kirche war wegen des damals herrschenden Seeleneifers den Gläubigen sehr heilsam denn sie hatten Gelegenheit, in kurzer Zeit und verhältnißmässig mit geringerer Mühe das abzubüßen, wofür sie im Fegfeuer lange und noch viel qualvoller hätten leiden müssen. Heut zu Tage aber ist das Verhältniß ein umgekehrtes, unsere verweichlichten Zeitgenossen, denen Alles zu streng und zu hart ist, würden sich der ehemaligen Buße nicht mehr unterziehen. Man vergißt ja schon oft die wenigen Vater unser, die man einige Tage hindurch zu beten aufbekömmt. Die Auflegung der ehemaligen Bußwerke würde also den Gläubigen nicht nur nicht heilsam, sondern vielmehr schädlich werden. Statt die Strafen des Fegfeuers abzubüßen, würde man sich vielmehr der Gefahr aussetzen, der Hölle anheimzufallen; denn wer die vom Beichtvater aufgelegte Buße nicht verrichtet, begeht eine schwere Sünde. Wie nun die Kirche in den übrigen Disciplinargesetzen z. B. im Fasten hat Linderung eintreten lassen, so auch bei den in der Beicht aufzulegen den Bußwerken. In gefährlichen Zeiten schätzt man sich glücklich, nur das Wesentlichste zu retten; so ist auch die Kirche in unsern ungläubigen Tagen froh, wenn es ihr nur gelingt, die Seelen den Flammen der Hölle zu entreißen, und laßt es ihnen selbst über, ob sie sich auch vor dem Fegfeuer bewahren wollen. Darüber aber soll sich Niemand freuen, im Gegentheil, er soll darüber seufzen und trauern, daß die Kirche mit uns so nachsichtig seyn muß. Dieß ist ein Zeichen daß wir sehr schwach, ja krank sind; denn nur Schwächlingen und Kranken muß man in allen Dingen Nachsicht angedeihen lassen. 1)

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich eine große Liebe zur Erbauungsliteratur des 19. Jahrhunderts. Unter anderem sicherlich deshalb, weil Parallelen zu unserer Zeit uns doch immer wieder beruhigend schmunzeln lassen „Ach schau an, damals war das auch schon so.“  mit dem ganz bestimmt häufig, zumindest gefühlten Nachsatz „Dann ist es ja nicht so schlimm“

Weiterlesen