unliturgisch

Er bietet dem Volke Gelegenheit, bei der Darbringung des heiligsten Opfers nicht bloß als Zuhörer und Zuschauer teilzunehmen, sondern bei der Opferhandlung selbstthätig mitzuwirken. Schon der heilige Chrysostomus sagt von dem Gesange, bei welchem Greise, Männer, Jünglinge, Unmündige und Frauen mitsingen: „Das ist unser Opfer und unsere Gabe, der beste Gottesdienst und für ein englisches Volk passend.“ Ohne Schwierigkeit könnte eine einfache Choralmesse mit Interlinearübersetzung aus dem etwaigen Diöcesan-Gesangbuch eingeübt und zuerst mit Kindern, dann allmählig mit den Erwachsenen ausgeführt werden; singt dazu nur ein einziger Sänger die Wechseltexte, so ist den kirchlichen Vorschriften vollständig genügt und unliturgischer deutscher Volksgesang aus den Aemtern verdrängt.

 Dr. Andreas Schmid; Caeremoniale für Priester, Leviten und Ministranten zu den gewöhnlichen liturgischen Diensten;1897

 

Ach… Vielleicht wäre es dann auch mal  an der Zeit, so allmählich in diese Phase des Verdrängens einzutreten…

 

 

 

 

Total befriedigt

Auf nichts kann man sich verlassen, wirklich auf gar nichts.

So bin ich gerade zum einen immer noch völlig verblüfft und überrascht, zum anderen ausgesprochen glücklich, zufrieden und erbaut. Und das, wie ich gestehen muss, wirklich unverhofft. Mache ich mich doch gelegentlich schon mit so einer Ahnung auf den Weg zur Kirche, dass mich dort Übles erwartet,  all diese Dinge, die ich hier dann und wann schon zu beklagen hatte.  So auch am gestrigen Sonntag.

Und dann… passierte nichts. Nichts, was mein ästhetisches Empfinden gestört hätte. Sicherlich… das eine oder andere könnte man noch ein bisschen schöner und genauer und… aber nein, davon will ich heute mal nicht reden.

Wer viel schimpfen und kritisieren kann, der muss und will sich auch mal lobend äußern:

Es war ganz fantastisch!

Nun gehe ich nicht davon aus, dass meine hier niedergeschriebenen Wutausbrüche irgendetwas mit dieser schönen und erfreulichen Entwicklung zu tun haben, sicherlich ist es einfach ein wunderbarer Zufall.
Wie dem auch sei

Herzlichen Dank, es war mir eine Freude!

…das bleibt jetzt bitte immer so…

Es wäre doch zu absurd…

…die Sprache der Liturgie, die lateinische, zugunsten der Landessprache aufzugeben.

Ist es doch mehr als augenfällig, was damit alles einhergehen würde! Sprachlicher  Schindluder,  ja, es könnte sogar der Eindruck entstehen, dass letzlich alles veränderbar sei, nicht nur die Sprache… am Ende gar die  ganze Lehre, der Glaube, die Welt! Nein… also, alleine der Gedanke ist mehr als lächerlich…. Sowas verrücktes würde niemand tun…

Ebenso ging es auch im Abendlande, wo auch von dem Entstehen der Kirche bis auf den heutigen Tag keine andere Sprache, als die lateinische, in der Liturgie gebraucht worden, so sehr sich auch die vielen abendländischen Völker in ihren Landessprachen von einander immer unterschieden haben, und noch unterscheiden. Aber warum behält denn die Kirche die lateinische Sprache noch immer bey, nachdem dieselbe doch schon lange aufgehört hat, die Sprache des Volkes zu seyn?  Sie thut dieses aus guten Gründen.  Einmahl ist es unstreitig, obwohl die Sprache zum Außerwesentlichen einer Lehre gehört, indem die Worte nur das Kleid der Gedanken sind, daß dennoch die Änderung der Sprache eine Änderung der Lehre wenigstens in ihrer Auslegung leicht veranlassen kann. Würde nun aber in jeder Provinz die gangbare Landessprache, wie bey uns die deutsche, statt der lateinischen in die Liturgie ganz aufgenommen, wie lange würde es wohl anstehen, daß die in einer solchen lebenden Sprache abgefaßten Gebethe, damit sie nach längerer Zeit verständlich blieben, nicht wenigstens in einzelnen Wörtern und Ausdrücken müßten geändert werden, da lebende Sprachen mit der Denkungsart und den Sitten der Menschen nach der vor- oder rückwärts schreitenden Bildung derselben, fortwährenden Änderungen unterliegen? Man betrachte nur unsere Muttersprache, wie sehr änderte sie sich binnen fünf Dezennien? und Bücher von hundert Jahren, wie schwer sind solche zu verstehen? Derley oftmahlige Veränderungen aber der einmal zur liturgischen Sprache angenommenen, wären sie nicht selbst der Religion gefährlich? Würden durch die vielen Änderungen der Worte und Ausdrücke die damit bezeichneten Glaubenslehren nicht mit der Zeit auch einen anderen, wenn nicht falschen, doch zweideutigen Sinn erhalten, der mancherley Irrthümer erzeugte, da doch die liturgischen Bücher immer Haupturkunden von der Tradition, von der durch alle Jahrhunderte sich immer gleichgebliebenen Lehre der Kirche waren?  Auch würde die Religion durch Verdrängung der alten liturgischen Sprache an ihrer Achtung bey dem größeren Haufen unvermeidlich verlieren. Das Volk würde jene selbst nicht mehr für unantastbar und unveränderlich halten, wenn diese verändert würde, die es ihres Alterthumes wegen für heilig, der Religion wesentlich, und eben darum auch für unabänderlich hält, weil es die Nebensache von der Hauptsache, das Außerwesentliche von dem Wesentlichen bestimmt zu unterscheiden nicht im Stande ist, was die Geschichte unserer Zeiten vielfältig beweiset.

Und doch… Wer nicht hören will…. und so…


 

zitierter Text aus: „Liturgik – zunächst für angehende, aber auch für wirkliche Priester“  A. Seelhammer, Wien 1838

 

 

Trauern um Nachsicht

von Schwäche und Krankheit

Wenn heut zu Tage der Priester keine so strenge Buße mehr auflegt, als es in jenen frühern Zeiten der Fall war, so geschieht es nicht deßwegen, weil man zur Einsicht gekommen ist, daß man ehemals zu streng gewesen ist, oder weil etwa in unserer Zeit die Gerechtigkeit Gottes eine andere geworden ist, und sich mit einer geringeren Genugthuung begnügt, sondern deßwegen ist eine Milderung eingetreten, weil die Lauheit des Zeitalters die Einhaltung der ehemaligen Strenge unmöglich macht. Die Kirche wählt wie überall so auch hier das kleinere Uebel, um das größere zu vermeiden. Eine giltige Beicht befreit von der ewigen Verdammniß auch ohne Uebernahme der für gewisse Sünden vorgeschriebenen Bußwerke. Jemand, der sich dieser unterzöge, hätte Hoffnung, auch für seine zeitlichen Strafen der göttlichen Gerechtigkeit Genugthuung zu leisten, und den Qualen des Reinigungsortes zu entgehen. In der frühern Zeit hielt man den Büßer dazu an und bei dem allgemeinen Eifer, von welchem die Gläubigen beseelt waren, ließ sichs auch jeder gefallen, der die Aussöhnung mit Gott wahrhaft suchte. Diese Strenge der Kirche war wegen des damals herrschenden Seeleneifers den Gläubigen sehr heilsam denn sie hatten Gelegenheit, in kurzer Zeit und verhältnißmässig mit geringerer Mühe das abzubüßen, wofür sie im Fegfeuer lange und noch viel qualvoller hätten leiden müssen. Heut zu Tage aber ist das Verhältniß ein umgekehrtes, unsere verweichlichten Zeitgenossen, denen Alles zu streng und zu hart ist, würden sich der ehemaligen Buße nicht mehr unterziehen. Man vergißt ja schon oft die wenigen Vater unser, die man einige Tage hindurch zu beten aufbekömmt. Die Auflegung der ehemaligen Bußwerke würde also den Gläubigen nicht nur nicht heilsam, sondern vielmehr schädlich werden. Statt die Strafen des Fegfeuers abzubüßen, würde man sich vielmehr der Gefahr aussetzen, der Hölle anheimzufallen; denn wer die vom Beichtvater aufgelegte Buße nicht verrichtet, begeht eine schwere Sünde. Wie nun die Kirche in den übrigen Disciplinargesetzen z. B. im Fasten hat Linderung eintreten lassen, so auch bei den in der Beicht aufzulegen den Bußwerken. In gefährlichen Zeiten schätzt man sich glücklich, nur das Wesentlichste zu retten; so ist auch die Kirche in unsern ungläubigen Tagen froh, wenn es ihr nur gelingt, die Seelen den Flammen der Hölle zu entreißen, und laßt es ihnen selbst über, ob sie sich auch vor dem Fegfeuer bewahren wollen. Darüber aber soll sich Niemand freuen, im Gegentheil, er soll darüber seufzen und trauern, daß die Kirche mit uns so nachsichtig seyn muß. Dieß ist ein Zeichen daß wir sehr schwach, ja krank sind; denn nur Schwächlingen und Kranken muß man in allen Dingen Nachsicht angedeihen lassen. 1)

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich eine große Liebe zur Erbauungsliteratur des 19. Jahrhunderts. Unter anderem sicherlich deshalb, weil Parallelen zu unserer Zeit uns doch immer wieder beruhigend schmunzeln lassen „Ach schau an, damals war das auch schon so.“  mit dem ganz bestimmt häufig, zumindest gefühlten Nachsatz „Dann ist es ja nicht so schlimm“

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