ansteckende Andachtslosigkeit

Der Priester dagegen, welcher niemals an den Altar tritt, ohne vorher durch Gebet seinen Glauben und seine Liebe zu Gott neu belebt zu haben, erbaut, rührt und bekehrt selbst diejenigen, welche das Glück haben, ihn celebriren zu sehen; indeß derjenige, der nicht durch Gebet sich vorbereitet, den die grosse Handlung, die er zu verrichten hat, nur oberflächlich beschäftigt, auch die Anwohnenden mit dem schlaffen Geiste  um nicht zu sagen der Andachtslosigkeit, die ihn erfüllt, ansteckt.
Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

 

erforderliche Andacht

img_00202.jpg.jpeg

Es wäre daher Irrthum, die Rubriken bloß als Anleitungen, nicht als Vorschriften ansehen zu wollen; jenes sind sie bloß in Bezug auf dasjenige, was der Priester vor und nach der Messe zu thun, und hinsichtlich der allfälligen, in die Celebration sich einschleichenden Mängel, wo sie nicht im Gewissen verpflichten, sofern hierüber nicht alte Kirchengesetze vorliegen. […] Versäumnisse hierin können durch deren Menge, und mehr noch bey Absicht, zur schweren Schuld werden. Ebenso wenn man sich nicht bestrebt, Wort und Handlung gehörig zu verbinden, oder der Ausflucht sich erfrechte, man halte die Gebräuche nicht für so wichtig, man fürchte sich, die Messe zu lange auszudehnen, man wolle sich keinen Zwang anthun.
Jede Nachlässigkeit bleibt wenigstens ein Vergehen. Darum soll man bey dem Celebriren die Rubriken nie aus den Augen lassen, auch, damit man sie recht inne behalte, dieselben von Zeit zu Zeit nachlesen.
Der Priester, welcher bey der Messe seines hohen Amtes bewußt ist, wird der erforderlichen Andacht sich befleissen, um das Volk zu erbauen und Ehrfurcht vor dem heiligen Geheimniß in ihm zu wecken, Nachlässigkeit und ungeziemende Hast deßwegen vermeiden.
Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

 

Sub gravi, or not…

…die Rubriken sind deine Freunde.

 

Wenn er am Altar stehend, Christus repräsentiert, sollte er alle individuellen Eigentümlichkeiten, selbst die kleinste Übertreibung, alles was die Aufmerksam auf seine Person zieht und von der erhabenen Handlung die er ausführt, ablenkt, ablegen.
Dabei helfen jene Rubriken, die die Handhaltung des Zelebranten, die Bewegungen seiner Augen und die verschiedenen liturgischen Gesten betreffen, nicht nur Anmutungen von Unehrerbietigkeit, Gleichgültigkeit oder Achtlosigkeit, sondern auch alle Eigenarten oder Überspanntheiten, selbst die scheinbar frommer Gesinnung, zu beseitigen. Die Rubriken halten des Zelebranten Bewegungen, Blicke und seine Stimme innerhalb enger Grenzen. Regeln, die, eine geistliche Disziplin darstellend, die Heiligung des Priesters fördern

J.B. O’Connell The celebration of mass

Meine spezielle Sorge, Aufmerksamkeit, sowie regelmäßige Wutausbrüche gelten ja seit jeher in der Hauptsache jenen  Quereinsteigern,  die eigentlich und hauptsächlich in der Neuen Messe zuhause sind. Die also jedwede Freiheit bei der Zelebration gewohnt sind. Und deren rituelle (Selbst-)Disziplinierung eine nicht geringe Herausforderung darzustellen scheint. Darüber hinaus ist es eine ziemlich neue und neue Dinge erfordern manchmal neue Methoden.

Weiterlesen

The spirit of the rubrics

Vom Geist der Rubriken

IMG_0027~2

Was Theologen und Rubrizisten einmütig denken und lehren ist, dass der Zweck jeder Rubrik der ist, den Priester zu unterstützen in vollkommenster Weise die erhabenen Handlungen zur Ehre Gottes und Erbauung der Menschen zu vollziehen. Letztendlich ist es der Geist der Rubriken , mehr noch als deren Wortlaut, der entscheidend ist. Mit Ehrfurcht und Liebe zu Gott, aus Gehorsam und Ergebenheit zu seiner Kirche, sollen sie, jede einzelne, befolgt werden.

J.B. O’Connell The celebration of mass

 

Dass im übrigen bei allem liturgischem Tun die echt priesterliche Gesinnung die Hauptsache ist, versteht sich für jeden Einsichtigen von selbst. „Der Buchstabe tötet, der Geist ist´s der lebendig macht!“(2.Kor 3,6)

W.Lurz Ritus und Rubriken der heiligen Messe

Beide Zitate beschließen jeweils einen kurzen Abschnitt, der sich Grad und Schwere der Verpflichtung den Rubriken gegenüber und damit einhergehend auch über Schwere der Schuld bei Nichtbeachtung beschäftigt. Ein Thema, dessen ausführliche Betrachtung und Diskussion der Moraltheolgie zufällt.
Dennoch muss es natürlich auch in einem rubrizistischen Werk, wenigstens ansatzweise Erwähnung finden, ist es ja doch zum einen nicht ganz unerheblich von einer gewissen unterschiedlichen Gewichtung Kenntnis zu haben, zum anderen weil es deutlich vor Augen führt, was selbst ich, in meinen diversen Meckereien immer wieder betont habe und betone, es geht nicht um hier und da einen Fehler, eine Unachtsamkeit, eine versehentliche Übertretung. Das wesentliche ist die innere Haltung, die Einsicht und das Wollen. Und wenn diese in der rechten Weise vorhanden sind, befolgen sich die Rubriken quasi von alleine.
Der Geist eines Regelwerks kann nur in der Befolgung desselben liegen. Und wer von diesem Geist quasi … erfasst ist, will es tun. Und tut es dann einfach. Vielleicht nicht immer völlig korrekt, aber aus tiefster Überzeugung und mit dem Vorsatz jede einzelne Rubrik zu beachten..

 

 

Förderungsmittel der Frömmigkeit

Manchmal ist es genau so

Die Rubriken sind die heilige Bestimmung zur Verherrlichung des großen Mysteriums, worauf sie sich beziehen; sie schreiben die Gebräuche und die Ceremonien vor, welche dabey zu  beobachten sind, und das Concilium von Trient nennt sie Bilder des Glaubens, Förderungsmittel der Frömmigkeit, Merkzeichen der Religion. Ein Priester wird daher mit Ehrerbietung ihrer achten, sie lieben, treulich befolgen, vor Nichtbeachtung derselben sich hüten und wissen, daß Uebersehen des einen oder andern eine läßliche, absichtliches Unterlassen mehrerer in einer und derselben Messe eine tödtliche Sünde ist.

Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

Weiterlesen

Ehrfurcht, heilige Scheu und Liebe

Weil es einfach nicht aufhört zu schmerzen

Denn überhaupt soll diese heilige Handlung stets mit Andacht, Frömmigkeit und lebendigem Glauben zuerst in dem Herzen begonnen werden.
Man muß von dem Priester sagen können, was der heilige Paulus in dem Brief an die Hebräer von Moses sagt: „ Er hielt sich an den, den er nicht sah, als suche er ihn.“ Sein Glaube muß ihm, den unter den eucharistischen Stoffen verborgenen Gott zeigen, und dieses jene heilige Scheu in ihm wecken, von der in Gegenwart des dreimal heiligen Gottes eine Seele durchdrungen seyn und in jener Liebe brennen soll, welche dieselbe vor dem Angesicht desjenigen aufzehrt, der Tag täglich die staunenswerthesten Wunder verrichtet, um mit ihr sich zu einigen.

Fühlt sich ein Priester durch diesen Glauben belebt, so wird auch sein Äusseres das Gepräge der Ehrfurcht, der heiligen Scheu , der Liebe an sich tragen, und in ernstem Auftreten, in demüthiger und bescheidener Haltung in andachtsvollem Blick, in einfachem aber frommem und salbungsvollem Ton bey den Gebeten wird die innere Stimmung sich bemerklich machen, die Umstehenden ergreifen, den Glauben in ihnen anfachen, die tiefste Ehrfurcht für das heiligste Mysterium in ihnen wecken, den lebendigsten Eindruck auf sie bewirken und die Gefühle, von denen der Celebrirende durchdrungen ist, auch in ihnen hervorrufen.

Deßwegen ist der Anblick eines Priesters, der fromm, andächtig, glaubensfreudig die heilige Messe liest, oftmals eine herzbewegendere, überzeugendere, wirksamere Predigt, als die bestgesetzte Rede..

Pflichten der Priester. Nach dem Französischen bearbeitet von Friedrich Hurter, 1844

 

 

Weise Reformation…

Bedenkenswerter Gedanke

Man darf also kühn sagen: das erste und
höchste Gebot aller weisen Reformation in der Liturgie ist dies:
bilde du dem Volke zuerst erleuchtete, gottselige Priester.
Denn diese werden nicht nur alle liturgische Handlungen mit
Geist und Leben durchdringen, sie werden auch noch ein anderes,
großes Stück Vorarbeit thun, das vor aller weitern Reformation
gethan werden muß; sie werden das Volk mit Beispiel und
Wort, im Geiste und aus seinem Herzen beten lehren. Hat
aber das Volk einmal gelernt, im Geiste und aus dem Herzen
zu beten, so wird es die Grund- und Muttersprache, die Natursprache alles Gottesdienstes, in die Kirche mitbringen, und diese Natur-, Grund- und Muttersprache auch an dem lateinischen oder
griechischen Priester vernehmen und verstehen.

Dr. Jakob Fluck „Katholische Liturgik, Erster Theil.Der sakramentale Kultus“, Regensburg 1853

Hätte man ja mal versuchen können..