Sicut in caelo #5

Das gotische Lichtspielhaus

Gelegentlich sprach ich schon von einem der großen, bedeutenden Merkmale der Gotik. Die „aufgelösten Wände“, die großen Fensteröffnungen. Ohne bisher mal ein klein wenig ins Detail zu gehen.

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Sicut in caelo #3

Form Follows Function

In Anlehnung an den Artikel des Kollegen, in dem er ausführt, dass die Gotik nicht unbedingt neues darstellen will, sondern vielmehr kann, möchte ich hier mal einen Vergleich mit dem „Vorgängerbaustil“ der Romanik wagen um, hoffentlich, herauszuarbeiten, worin das Können liegt. Einige gotische Basics hatte ich ja schon mal erläutert, hier soll es jetzt aber um die kombinierte statische und gestalterische Funktion gehen.

Dazu muss ich zunächst mal jemanden vorstellen:

DIE BASILIKA

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Sicut in caelo #2

Vielleicht scheint es ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen, wenn ich mich jetzt Etwas zuwende, was zunächst mal überhaupt nicht (nur) typisch gotisch ist. Nicht so richtig zur eigentlich Gebäude-Architektur gehört aber auch nicht wirklich nur Ausstattungsstück war, etwas, was aus heutiger Sicht störend wirken mag, aber dennoch zur ursprünglichen, bauzeitlichen Raumgliederung gehörte. Ich glaube aber, dass genau hiermit eine gute Möglichkeit besteht, die heutige, moderne Sichtweise ein bisschen auf Mittelalter umzustellen.

Der Lettner

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Sicut in caelo – #1 (update)

Gotische Schwärmereien Teil 1 von x 

(jetzt auch mit Zeichnungen zur Verdeutlichung und einem Link zum Parallel-Start zum Thema vom Kollegen Denzinger-Katholik)

Ich wollte über die Gotik schreiben. Und weil ich so garnicht wußte, wo ich am besten anfange, beginne ich einfach mit nüchternen technischen Fakten, die aber, um die Großartigkeit der Gotik erfassen zu können, unverzichtbar sind.

Und zwar handelt es sich dabei zunächst mal ganz grob um das was der Kunsthistoriker Giorgio Vasari an der Gotik auszusetzen hat. Ein Gegenentwurf zur klassischen antiken Architektur und Kunst.

Weil sie anders war, als alles was davor und danach kam. Man könnte sagen, die Gotik ist eine Exotin unter den Epochen.

Das, was in der Gotik so bild-und symbolhaft zum Ausdruck kommt und, wie ich schon mal geschrieben hatte, so deutlich spürbar ist, musste technisch erst mal machbar sein. Und das wiederum durch die Elemente, die so „typisch gotisch“ sind.

Deshalb muss ich mal kurz ein bisschen technisch werden. Ein typisch gotischer Spitzbogen ist eben nicht einfach nur ein Stilelement. Es ist DAS Ding! Im Gegensatz zu Rundbögen bieten Spitzbögen rein geometrisch ein neues Universum an Möglichkeiten. Ein Rundbogen ist immer ein Kreissegment und deshalb in seiner Ausdehnung immer an den Radius und damit an den Abstand der Stützen gebunden. Ändert sich der Säulenabstand, wird auch gleichzeitig der Bogen höher. Das erübrigt sich bei einem Spitzbogen. Gleiches gilt dann natürlich auch für die „typisch gotischen“ Kreuzrippengewölbe, die im Grunde nichts anderes sind, als sich im Scheitelpunkt schneidende Spitzbögen, die damit einen Raum schaffen. Das hat nicht mehr und nicht weniger zur Folge, als dass gleichhohe Räume bei unterschiedlicher Säulenrhythmisierung möglich waren.  Gleichzeitig natürlich auch bei gleichbleibendem Säulenabstand unterschiedliche Raumhöhen.

Isometrie
Isometrische Darstellung – von unten nach oben gesehen

Genau das ist ein unglaublich wichtiger Punkt und ermöglicht prinzipiell etwas, was den gotischen Raum als solchen ausmacht: Die Möglichkeit, den Grundriss rhythmisch einer Zahlenallegorie folgend, durchzukomponieren und eines zwar harmonierenden aber nicht davon abhängigen Aufrisses. Kontrapunktisch, um mal bei der Musik zu bleiben. Ausgehend von den Maßen des Vierungsquadrates gleich breite aber nur halb so lange Gewölbefelder.

kathedrale
Ich habe gezeichnet..nur mal so zur Verdeutlichung eines „rhythmisierten“ Grundrisses. Für den Chorumgang fehlte mir die Geduld…

Ein weiteres unschlagbares und stilbildendes Element bilden die Kreuzrippen, die statisch erforderlichen Elemente die die statischen Lasten in die Stützen ableiten. Im Gegensatz zu einem Halbkreis, durch die Spitzbogigkeit auch sehr viel effektiver.

Strebewerk
äußeres Strebewerk

Was hier vielleicht etwas theoretisch-technisch klingt ist aber genau das, was die Filigranität der gesamten Konstruktion und somit die großzügigen Wandöffnungen – Fenster erst möglich macht. Es wird nur das massiv gebaut, was für die Statik des Gebäudes erforderlich ist, der Rest ist frei(weitgehend). Gewölbe, ob auf einem Kreis beruhende Tonnengewölbe oder spitzbogige Kreuzrippengewölbe, verursachen enormen Seitenschub.  Was vorher mitunter meterdicke Wände leisten mussten, erledigen jetzt effizient eingesetzte Stützen, Wandpfeiler und ganz maßgeblich das, ebenso gotik-typische äußere Strebewerk. Ein gotisches bauliches Exoskelett.

Lastabtrag
schematische Darstellung des Kräfteverlaufs.

Dies alles sind Dinge, die man gerne einfach so hinnimmt, als gotisch eben, als Stilelement. Aber all das waren technische Neuerungen, revolutionären Ausmaßes, die sicherlich stilbildend sind und auch das, was gotische Architektur dem Betrachter, dem Benutzer vermittelt und vermitteln will mitträgt und ausmacht, tatsächlich als Stilelement, aber gleichzeitig ist es auch das, was gotische Architektur erst möglich macht.